Alles ist Heiligkeit

Es ist, wie mit Allem:

Was eines sieht und erblickt,

wird es verstärken,

wo immer es hinblickt.

Was eines sieht und erblickt,

sagt viel aus über die innere Ausrichtung dessen, das „sieht“.

Denn, ich kann nicht sehen,

was nicht in meiner Seele widerhallen kann,

was nicht ein Echo ist dessen,

was ich selber in mir trage.

So sagt, was eines sieht,

immer mehr aus über das, was „sieht“,

als über das, was betrachtet wird.

 

So ist es auch mit dem Heiligen:

das Heilige kann nichts anderes sehen, als Heiliges,

wo immer es auch hinsieht.

Nichts anderes als Heiliges findet ein Echo im Heiligen,

nichts anderes als Liebe findet ein Echo in der Liebe.

Es ist nicht, dass das Heilige etwas ausschliesst.

Es ist nicht, dass die Liebe irgendetwas verneint.

Es ist so, dass sie, dass es, nichts anderes zu erblicken in der Lage ist.

Darin liegen Unschuld und Weisheit gleichermassen.

So ist die Ewigkeit beschaffen.

Deshalb gibt es,

mit den Augen des Heiligen betrachtet,

nichts ausser Heiligkeit,

gibt es, mit den Augen der Liebe betrachtet,

nichts ausser Liebe.

 

Heiligkeit hat kein Bewusstsein für Individualität,

für „Ich“ und/oder „Du.

Da es in Allem nur Heiligkeit zu sehen in der Lage ist,

ist es in Allem,

ist es ALLES.

Denn: am Grund aller Dinge

sind alle Dinge gleich:

sind sie voller Heiligkeit.

Das ist ihre Wurzel.

Daraus erwachsen wir, wir alle,

wenn gleich wir unterschiedliche Blüten haben

und unterschiedliche Früchte tragen,

so ist doch unser aller Wurzel dieselbe:

das Heilige.

 

Am Grunde aller Tränen,

ob sie nun aus Qual

oder Erschöpfung

oder Entzücken und Liebe geweint werden,

ist das Empfinden dasselbe.

In der Tiefe der Liebe

und in der Tiefe des Schreckens

wohnt dasselbe Gefühl,

ununterscheidbar.

Du und ich unterscheiden uns, in der Tiefe,

an unserer Wurzel,

in keiner Weise.

Deshalb ist eine Unterscheidung

in „Du“ oder „Ich“

in Wahrheit ein sinnloses Unterfangen.

 

Aus diesem Grund haben die Heiligen aller Zeiten und Kulturen Recht, wenn sie sagen:

Es gibt nichts ausser der Liebe.

Denn, obwohl die Welt so beschaffen ist, wie sie ist,

und Liebe und Qual,

Grossmut und Trauer,

Hingabe und Schrecken gleichermassen

den Erdball umfliessen:

in seiner Tiefe ist Alles

Heiligkeit

 

-Durga-