Begegnung mit Skeptikern

Folgende Situation findet sich sehr häufig am Anfang des Yoga: Der/Die Yogapraktizierende hat etwas erlebt – der Yoga hat sich dadurch verlebendigt und verifiziert. Natürlich sind die Yogapraktizierenden dann begeistert, ist es doch der erste Erfolg und Beweis, dass die eingeschlagene Richtung stimmt. Da sind Emotionen im Spiel und natürlich teilen sich die Yogaausübenden nahestehenden Personen oder Bekannten mit.

Sehr schnell geraten sie an einen Skeptiker. Und dann beginnt das Spiel: Scheinbar wohlwollend hört sich der Skeptiker die Geschichte an und beginnt nachzudenken. Hierbei stellt er fest, dass er, der Skeptiker, dergleichen noch nicht erlebt hatte. Dagegen sträubt sich sein gesamtes Selbstwertgefühl: es kann doch nicht sein, dass der Gegenüber etwa weiter wäre und tiefer in die Natur der Dinge eindrungen wäre. Nein, das ist nicht möglich, wo man doch selbst so klug ist.

Der Skeptiker: "Was Du erlebt hast war pure Fantasie." Yogapraktizierender/e: "Nein, das war echt!" "Du hast Dich von diesen Sektierern derart fanatisieren lassen und Dich in ihre Ideologie so sehr hinein gesteigert, dass Du Deine Fantasie für real hältst!" "Nein, ich habe es ja real gesehen, so wie ich Dich sehe." "Dann war es eine Halluzination! Nimmst Du Haschisch?" "Ich nehme kein Haschisch. Und eine Halluzination war es auch nicht. Ich war in einer Tiefenversenkung, die ich im Yoga erlernt hatte." "Ist ja klar, Du warst in einem autohypnotischen Zustand. In Autohypnose kann man Beliebiges wahr nehmen und hält es dann für real. Man kennt ja das Hypnose Beispiel, in dem man jemanden einen Zwiebel gibt und sagt, dass es ein Apfel wäre. Und tatsächlich isst die Person den Zwiebel auf und hält ihn für einen Apfel. Da ist also eine jede Täuschung möglich."

Ähnliches geschieht, wenn man über Astralreisen redet. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal dem Hausarzt von Guru Ananda darüber erzählt hatte. Ich habe deutlich gefühlt, wie er schon bei den ersten Sätzen darüber nachgedacht hatte, ob ich schizophren wäre und nur zugehört hatte, um Indizien für eine Dissoziation heraus zu finden. Was immer man erlebt haben möge, es wird von Skeptikern als krankhaft ausgelegt, denn nie würden sie es zulassen, dass ihr materialistisches Weltbild, auf das sie so stolz sind, weil es so wissenschaftlich ist, falsch sein könnte. Das ist keine neue Denkweise. Diese "logischen", "vernünftigen" Menschen gibt es schon seit Jahrtausenden. Zahlreiche Fabeln bringen Gleichnisse, die auf diese Denkart bezogen sind. Eines der bekanntesten Gleichnisse ist das indische Gleichnis vom Brunnenfrosch, dessen Inhalt kurz gesagt folgender ist: "Man kann mit einem Brunnenfrosch nicht über das Meer reden!" Hier die Geschichte in eigenen Worten wieder gegeben:

Der Brunnenfrosch

Am Rande eines Dorfes, in dem schon lange keine Menschen mehr lebten und dessen halb verfallene Häuser wilden Tieren Zuflucht gaben, dort war ein gemauerter Brunnen. In diesem Brunnen lebten einige Frösche. Sie lebten dort tagein, tagaus, von der Brunnenmauer umschlossen. Sie waren zufrieden in ihrem kleinen Reich, denn es gab Insekten, die in den Brunnen fielen und etwas Schlamm in dem seichten Brunnen. Es gab auch ein Stück Holz, das herum trieb und auf das man sich setzen konnte, um ein Sonnenbad zu nehmen. Es war eine kleine und gemütliche Welt.

Die Frösche waren zufrieden mit ihrem Dasein und quakten fröhlich ihre Lieder. Alles war geregelt und vorhersehbar. Gleichmäßig stieg der glühende Sonnenball am Himmel auf, beleuchtete die Welt und ließ die Luft heiß werden, was den Fröschen nichts machte, denn sie konnten sich in den Brunnenschatten zurück ziehen oder im Wasser baden. Der Sonnenball legte sich auch täglich zur Ruhe, wie die Frösche auch. Es war ein vertrauter Zyklus. Gelegentlich kam ein Storch und holte sich einen Frosch aus ihrer Gruppe. Ängstlich versteckten sich dann alle und wagten es nicht für einige Zeit ihre fröhlichen Lider zu quaken. Solche Schrecken waren zum Glück nur selten und bald vergessen.

Wie es schien, lebten nicht alle Frösche zufrieden in den Alltag hinein. Es gab einen Frosch unter ihnen, der unzufrieden war und merkwürdige Ideen besaß. Ein Außenseiter, der in das friedliche Dasein der Frösche mit seltsamen Fragen Unruhe bringen wollte. So fragte er etwa woher die Sonne kommen und wo sie in der Nacht hingehen würde. "Da muss es doch etwas außerhalb unserer Brunnenwelt geben. Vielleicht leben wir in einem engen Gefängnis und merken es nicht einmal?" Wen immer er von den anderen Fröschen fragte, winkte dieser ab, lachte darüber oder war über die Frage verärgert. Sie alle die Frösche waren gute Freunde von ihm, aber immer, wenn er diese Themen anschnitt, waren sie nicht bereit ihm zuzuhören und er erkannte, dass sie gar kein Interesse an ihm und seinen Problemen hatten, sondern lieber ohne viel zu denken ihr gewohntes Leben führen wollten. Dass ihr eigenes Leben ungestört und frei von lästigen Fragen wäre, das war ihnen gemütlicher. So merkte er, dass er genau genommen keine Freunde unter ihnen hatte, die an seinen Problemen Anteil genommen hätten. So war er trotz der Gesellschaft um ihn herum einsam und unverstanden.

„Schlag Dir Deine Träumereien aus dem Kopf! Außer diesem Brunnen existiert nichts, sagten die ältesten Frösche, welche die größte Lebenserfahrung hatten.“ Aber der Frosch spürte in sich einen Ruf, den er selbst nicht beschreiben konnte. Es war etwas Unbekanntes, das anscheinend auf ihn wartete und von ihm entdeckt werden wollte. Heimlich machte er sich in der Morgendämmerung, als alle noch schliefen, auf den Weg, um nach der Heimat der Sonne zu suchen. Es war nicht leicht, den Brunnenrand zu überwinden. Er musste ganz große Sprünge machen, die viel Kraft kosteten. Dennoch erreichte er in all den vielen ersten Versuchen nicht den Rand, sondern prallte gegen die Mauer und verletzte sich beinahe. Doch dann, mit einem Sprung der Verzweiflung gelang es. Er saß am Rand des Brunnens. Verwundert schaute er um sich. Im Osten sah er es langsam heller werden. Die Welt um ihn schien riesig zu sein. Nirgends sah er eine Mauer. Statt dessen verlor sich die Welt irgendwo in der Ferne. Sie löste sich für ihn in einem Schleier auf, denn seine Augen waren nicht gewöhnt so weit zu schauen. Es war auch üblicher Weise nicht nötig, denn schließlich konnte er nur nach den Fliegen schnappen, die ganz nahe waren.

Der Frosch sprang vom Brunnenrand nach außen hinunter und landete auf einem körnigen Sand, der sich beinahe unangenehm anfühlte. Vor allem war er sehr trocken und ganz anders als der weiche, angenehme Matsch im Brunnen. Fast schon bereute es der Frosch diese unbequeme Welt betreten zu haben, doch die Neugierde war größer als sein Hang nach Bequemlichkeit. Da der Sand so unangenehm trocken war, suchte er nach einem Tümpel, um sich wieder auffrischen zu können. Doch er fand keinen, obwohl er letztlich schon sehr weit gehüpft war. Zudem schien der Weg ungemein gefahrvoll zu sein, denn immer wieder spürte er den Boden von den Schritten großer Tiere vibrieren. Der Frosch wanderte weiter. Was zu erst Neugierde war, wurde zur Verzweiflung. Die Haut begann ihm trocken zu werden und er benötigte dringend Wasser. Der Durst plagte ihn, ein Empfinden, das er bislang nie erfahren hatte.

Dann auf einmal sah er die Sonne aufgehen. Sie schien hinter einer purpurnen Blüte hervor. In allen Farben leuchteten die Blumen auf. Es war so schön, dass der Frosch ob dieses Wunders beinahe seinen Durst vergessen hatte.

Dann auf einmal sah er die Sonne aufgehen. Sie schien hinter einer purpurnen Blüte hervor.

Als würde sein inneres Staunen, sein Überwältigt sein und die Ehrfurcht vor diesem großen Wunder einen Zauber bewirken, war er plötzlich nach wenigen Sprüngen bei einem kleinen Bach. Blumen waren da, weiches Gras und viele Mücken. Der Frosch sprang in den Bach und schwamm fröhlich herum. Gleich darauf war er in einem kleinen See, der für ihn ungeheuer groß war, denn er kannte ja nur den kleinen Tümpel des Brunnens. Es war wunderbar hier, Lotosblüten blühten im Wasser und es sah aus als ragten aus dem Wasser viele Sonnen mit breiten Blütenstrahlen in Rosa und strahlendem Weiß. Es gab viele Blätter auf dem Wasser wo man sich hinauf setzen konnte oder darunter verstecken konnte. Es war ein Paradies. Staunend sah sich der Frosch alles an. Als er müde war setzte er sich auf ein Stück Holz, vielleicht aus Gewohnheit vom Brunnen her. Ein Blatt wäre besser gewesen. Der Frosch war jedoch aus dem Brunnen nur stehendes Wasser gewöhnt und konnte sich nicht vorstellen, dass das Holz ihn immer weiter von seinem ursprünglichen Platz fort tragen würde. Als er aufwachte, sah er auf einmal das Meer vor sich. Noch war er im Flussdelta und konnte sich auf ein Blatt setzen, um in Ruhe alles zu betrachten. Wasser war da, überall Wasser so weit das Auge reichte.

Wie er über das Wunder staunte, kam ihm plötzlich der Gedanke: „Das muss ich den anderen Fröschen im Brunnen sagen. Ich darf das nicht einfach für mich behalten. Sie alle können frei sein und diese Herrlichkeit und Schönheit und Grenzenlosigkeit des Ozeans erleben und erfahren. Ich muss es ihnen sagen.“ Und so hüpfte er zurück zum alten Brunnen. Es war ein sehr weiter Weg. Während er auf dem treibendem Holzstück den Ozean bald erreicht hatte, dauerte es nun endlos lange für ihn. Zur Sicherheit und zur Orientierung war er entlang dem Ufer des hier sehr breiten Baches gewandert. Solcherart hatte er keine Entbehrungen und konnte sich jederzeit erfrischen.

Endlich war der Frosch zu Hause beim Brunnen. „Frösche!“, rief er. „Ich war da draußen, und dort gibt es ein riesiges Wasser. Es ist wunderschön und unendlich, ohne Mauern, ohne Anfang und ohne Ende“. Die Welt draußen ist riesig. Blumen gibt es dort, riesige Bäume. Und weit weg sah ich Erde, die sich als Berg bis zum Himmel auftürmte.

"Was soll der Unsinn", sagten die anderen. Es gibt keine Erde, die sich auftürmen lässt. Wenn man Erde oder Schlamm, oder wie man es sonst nennen will, auftürmen will, fließt es wieder in die Breite. Das haben wir einigemale versucht und es ist experimentell bewiesen. Und das, was Du Blumen und Bäume nennst, was sollen denn das für Gebilde sein? So etwas gibt es nicht. Beweise uns, dass es Blumen und Bäume gibt!" Was soll ein fließender Brunnenteich sein? Das ist doch unsinnig! Woher soll Wasser kommen und wohin soll es fließen? Aus einer Mauer heraus vielleicht? Wie kann man nur so unlogische und verrückte Fantasien haben? Du sprichst von einem Meer; beweise uns, dass es ein Meer gibt! Doch der weit gereiste Frosch konnte das Meer nicht beweisen. Da lachten sie ihn alle aus und sagten: "alles war nur ein Traum von Dir. Du hast geträumt und Du Wirrkopf hast alles für Wirklichkeit gehalten. Wie kann man nur so dumm sein!"

Letztlich schwieg der weitgereiste Frosch. Er hatte es aufgegeben über die große Welt dort draußen zu reden. So viel Mühe hatte er auf sich genommen, um den anderen von den Wundern zu erzählen. Seine Mühen waren umsonst gewesen. Niemand war auch nur eine Spur neugierig, nicht einmal eine kleine Spur, um wenigstens auf den Brunnenrand zu hüpfen. Allein das hätte sie schon Wunderbares sehen lassen. Statt dessen waren sie erzürnt über ihn. Sie meinten er gönne ihnen das bequeme und geborgene Leben nicht. Es war doch schön im Brunnen hier, warum sollten sie was anderes suchen?

Nachdem der Frosch erkannt hatte, dass all das Erzählen nur Unfrieden schuf, er aber niemanden überzeugen konnte, sprang er eines Morgens wieder auf den Brunnenrand und verschwand auf dem Weg zur Blumenwiese. Dort fand er in einem Teich nahe des Baches. Das war sein Paradies und er lebte zwischen Blumen und vielen Fliegen, die ihm beinahe in den Mund hinein flogen.

Doch es gab noch etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Ein Frosch sah ihm zu, wie er auf den Brunnenrand gehüpft war und dann verschwunden war. Das machte diesen Frosch neugierig und er folgte nach. Er sprang ebenfalls auf den Brunnenrand und dann hinunter auf den Sand. Und da er sich in dieser unbekannten Welt nicht sicher fühlte, hüpfte er in einigem Abstand dem ersten Frosch nach. Das war reine Vorsicht. Hätte die Erde den anderen Frosch verschluckt oder wäre sonst Ungewöhnliches passiert, so wäre er vorgewarnt gewesen und hätte sich verstecken können. Doch dergleichen war nicht geschehen. Und so war auch er kurz nach dem ersten Frosch am Teich angelangt. 

Der erste Frosch war darüber sehr glücklich. Er hatte einen Gefährten. Sie verstanden einander, die zwei Frösche, sie hatten gleiches erlebt und liebten den Teich, in dem sie nun waren. So quakten sie glücklich und emsig ihre Lieder, so laut, dass man glauben hätte können, dass im Teich vielleicht fünf oder zehn Frösche wären.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien