Bhakti Yoga

 Bhakta ist der vom Yoga verwendete Begriff für "Liebe", ein Sanskritwort. Sanskrit ist die Sprache der indischen Religionsgelehrsamkeit.

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Unter Bhakti Yoga versteht man eine Yogadisziplin, welche die Liebe zum Hauptinhalt hat. Allerdings hat man früher und meist auch jetzt unter Bhakti Yoga ausschließlich eine Liebesverbindung zu einer Gottheit verstanden. Das kommt daher, weil man den Begriff "Liebe" im indischen Yoga viel stärker differenziert als im Westen. Diesbezüglich ist die Sprache nicht so verarmt wie hier. Was im Westen meistens unter "Liebe" verstanden wird, heißt in Indien "Kama" (Leidenschaft).

Dann gibt es noch Bhakta, worunter man eine religiöse Liebe versteht, vielleicht auch eine Nächstenliebe. Weitere Begriffe wie Prema und Bhava stehen für höhere religiöse Liebeszustände. Sicherlich war auch die Nächstenliebe dem Yoga nicht fremd. Tätigkeiten im Sinne der Nächstenliebe wurden und werden jedoch dem Karma-Yoga zugeordnet.

Die Liebe zu einem Menschen oder auch zu einem Tier oder zu Pflanzen entwickelt sich durch die Begegnung. Es ist ein Gegenüber notwendig, damit sich Liebe im Menschen entfalten kann. Eine Gottheit ist jedoch kein mit unseren Sinnesorganen wahrnehmbares Gegenüber. Vielleicht können wir unserer Gottheit einmal begegnen, bis dahin jedoch bleibt sie für uns unsichtbar und fern. Das erschwert die Bildung einer lebendigen, herzenswarmen Liebe. Deshalb hat der Yoga eigene Methoden entwickelt, die helfen sollen die Liebe zu einer Gottheit zu entfalten.

Über die wichtigsten und bekanntesten Methoden des Yoga soll anhand von Gedichten der Wanderasketin Lalla (etwa 1320 bis 1390) aus Kashmir berichtet werden.

97. JK Wegen der Liebe, die mich nicht ruhen ließ,

Ließ ich, Lalla, in meiner Suche nach Ihn nicht nach.

Ich quälte und quälte mich danach ab, Tag und Nacht.

Und dann, hola, im glücklichsten Augenblick meines Lebens,

sah ich den Herrn in meinem eigenen Heim.

Anmerkung: mit "eigenem Heim" ist das Herzzentrum gemeint.

 Zusammengefasst lässt sich also Folgendes sagen: Der traditonelle "Bhakti-Yoga" beinhaltet verschiedene Praktiken der Verehrung des göttlichen Prinzips in verschiedenen personifizierten Erscheinungsformen (Götter). Dazu gehören Japam = das Wiederholen von Gebetsformeln, Bajans = Lieder der Verehrung. In der neueren und westlich orientierten Form versteht man unter Bhakti Yoga das Entwickeln von Liebe und Verständnis zu unseren Mitmenschen und zur Natur.

 

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