Dämmerungsebenen, Nebelwelten

Bild aus "Carols Lichterweg" von Ballabene

 Nebelwelten

Robert James Lees berichtet über eine Nebelwelt als Übergangssphäre in seinen Büchern "Reise in die Unsterblichkeit", Bd. 1, 2 und 3, Drei Eichen Verlag, München-Passing, 1962. Die Bücher sind teilweise schon veraltet, aber dennoch schön zu lesen.

Ich selbst habe ebenfalls schon Nebelwelten betreten. Ob das, was ich sah, ein Schwellenbereich war, wie Robert James Lees behauptet, weiß ich nicht. Ich hatte eher nicht den Eindruck.

 Dämmerungsebene

Das sind Daseinsbereiche von düsterem Zwielicht bis zu einer hellen Dämmerung oder der Helligkeit eines wolkenverhangenen Wintertages.

Nicht alle, die in diesen düsteren, ungastlichen Ebenen irren, sind vom Egoismus in ihrem irdischen Leben geprägt. Was aber alle anscheinend gemeinsam kennzeichnet, ist, dass sie durch Probleme oder Schuldgefühle belastet sind. Sie sehen keinen Ausweg. Schön sind weder die inneren Zustände noch das nach außen gekehrte Ambiente, die Ebene. Aus diesem ersten Eindruck heraus jedoch zu glauben, dass dies Straf-Orte wären, ist falsch. Manche fühlen sich in gewisser Weise dort sogar wohl, weil sie dort bislang sozial verbotene Wünsche ausleben können. Diese Ebenen können also auch Orte der Ausgelassenheit und des ausschweifenden Lebens sein. Das Ausleben versagter Wünsche, wirkt auf jene Seelen wie eine Therapie, die sie von den Fesseln des Verbotenen löst und sie dadurch zu freien Seelen macht. Sobald die Wünsche ausgelebt sind, steigen die dortigen jenseitigen auf, oft mit einem nunmehr tieferem Verständnis für die Probleme anderer Menschen. Es ist ja leider so, dass man oft nur das versteht, was man selbst erlebt hat.

Franchezzo, "Ein Wanderer im Lande der Geister", Bietigheim, Württ., Turm Verlag, Seite 64-65, Tl. 1, Kap. 6, Zwielichtland.

Die Behausungen und Wohnstätten dieses dunklen Landes des Elends lagen über weite Flächen zerstreut. Alle aber boten einen schrecklichen Anblick von Unreinlichkeit, Schmutz und Verfall. Sie glichen den Gebäuden in einigen Diebesvierteln unserer Großstädte, wo einstmals prächtige, mit Reichtum und Luxus ausgestattete Paläste nun zu Zufluchtsorten des schlimmsten Lasters und Verbrechens geworden sind. Hier und da stieß ich auf weite, verlassene Landstriche, die nur wenige zerstreute Häuser, besser gesagt elende Hütten aufwiesen. In anderen Gegenden gab es Häuserkomplexe ähnlich den Großstädten der Erde, in denen die Einwohner dicht zusammengedrängt hausten und einen düsteren, unerfreulichen Anblick darboten. Überall konnte man Schmutz, Unrat und Elend bemerken: ein wahrhaft trostloser Zustand, der durch die geistigen Ausströmungen der lasterhaften Bewohner dieser Gegend verursacht wurde. Nicht eine Spur von etwas Reinem, Schönem oder Anmutigem war hier zu entdecken, auf dem das Auge gerne hätte verweilen mögen.

Unter diesen Unglücklichen wanderte ich mit meinem kleinen Sternenlicht umher. Es war so winzig, dass es einem leuchtenden Pünktchen glich, das in der Dunkelheit aufblitzte und sich bewegte. Doch um mich her verbreitete es eine sanfte, milde Helle und bildete einen Hoffnungsstern für alle, die nicht infolge ihrer Selbstsucht und ihrer Leidenschaften zu verblendet waren, um das Lichtlein wahrnehmen zu können.

Ab und zu fand ich solche Unglückliche an irgend eine Wand gelehnt oder in der Ecke eines armseligen Zimmers kauernd. Besaßen sie genügend Kraft, sich aufzurichten und auf meine Worte zu hören, dann begannen sie den Weg zum Guten zu suchen und auf diesem Wege zu den höheren Sphären, aus denen sie durch Sünden gefallen waren, zurückzukehren. Einige konnte ich dazu bewegen, mir bei meinen Bemühungen, anderen zu helfen, beizustehen. In der Regel jedoch waren diese Ärmsten nur imstande, an ihr eigenes Elend zu denken und sich nach Höherem als ihrem gegenwärtigen Zustande zu sehnen. So gering dies auf den ersten Blick erscheinen mag, war es dennoch der erste Schritt nach vorwärts, dem dann der zweite - nämlich der Gedanke, wie man anderen helfen könne - ebenso sicher folgen könnte.

 Labyrinthe

Für diesen Ebenen-Bereiche sind dämmrige Labyrinthe (meist verzweigte Kellergänge) typisch und der Ausdruck einer inneren Weglosigkeit. Es sind dies oft verzweigte Kellergänge mit Höhlen oder finsteren Nischen, Kammern oder auch manchmal Hallen, in denen es wieder heller ist und sich viele einfinden. Manchmal sieht man am Boden sitzend und an die Wände gelehnt kraftlose Gestalten. Sie befinden sich oft in einem Zustand teilnahmslosen Dösens, was ihr Befinden abmildert, andererseits sie auch jeglicher Initiative beraubt einen Ausweg zu suchen.

"Dahindämmernde Seelen"  (eigenes Erlebnis)
"Ich gelangte in eine geräumige Felsenhöhle. In der Düsternis lagen oder saßen lethargisch ca. 10 Gestalten im Staub, teilweise in Decken eingehüllt. Irgendwo lauerte Gefahr, jedoch nicht von den armen Gestalten, das fühlte ich. Um die Art der Gefahr zu erkennen, mischte ich mich unter die dortigen und versuchte mich ebenfalls in ein Tuch zu hüllen, was gleichzeitig eine Möglichkeit war meine andersartige Erscheinung zu verbergen (ich war ja ein Besucher - Astralwanderer - fühlte anders und sah auch entsprechend anders aus). Mein Tuch war zwar (unbeabsichtigt) von einem matten Weiß mit dunkelblauen Blumen und somit doch nicht konform mit den grauen Decken der Anderen, aber vom Weiten konnte man das sicherlich nicht erkennen.

Still saß ich nun und wartete einige Zeit. Mittlerweile versuchte ich Kontakt mit den armen Seelengefährten zu knüpfen. Ich sprach ihnen zu und der eine und der andere erwachte aus seiner Regungslosigkeit und blickte mich an. Allmählich wurden alle mehr und mehr von Leben erfüllt. In diesem Augenblick kam aus dem Gang eine Gestalt von gedrungenem Zwergwuchs. Er erfasste eine der nach wie vor passiven Gestalten und schleppte sie einige der Felsenstufen zu einer etwas höher gelegenen kleinen Halle empor. Dem Gefühl nach hatte er nichts Gutes vor. Allerdings kam er nicht dazu, denn ich griff in die Handlung ein und schlug das Wesen in die Flucht. (Hier entscheidet in erster Linie die innere Kraft, welche für den Gegenüber fühlbar ist.)

Das Schauspiel des Kampfes und die Erkenntnis der Gefahr belebte nun meine Seelengefährten vollends und so folgten sie meinem Aufruf die Höhle zu verlassen. Die kleine Gruppe machte sich auf den Weg und ich wurde in meinen physischen Körper zurückgerufen."

"Der finstere Winkel in der Markthalle" (eigenes Erlebnis)
"In einem Schwebeschritt, wobei ich mit den Zehenspitzen nur leicht den Boden berührte und hierbei halb fliegend Riesenschritte machte, eilte ich die Straße entlang, in Richtung Stadtmitte. Knapp vor der Markthalle gesellte sich ein etwa achtjähriger Knabe als Begleiter zu mir. Wir hielten uns an der Hand und beteten gemeinsam ein Japam (sich wiederholendes Kraftwort). Dieses ging sehr gut, es wurde mir ganz heiß ums Herz. Immer stärker wurde mir bewusst, dass es sich nicht um den mir bekannten Ort handelte, dem die Umgebung glich (ich wurde dadurch luzider, wenn man so sagen will), und so beschloss ich die Umgebung näher in Augenschein zu nehmen und bog ab, um die Markthalle zu besichtigen.

Die Markthalle war sicherlich auch hier ein zentraler Ort, an dem sich viele Menschen trafen und es etwas zu sehen gab, so dachte ich. In dieser Absicht ging ich hinein. Zu meiner Überraschung war die Markthalle fast leer. Einige Leute standen drinnen herum und im Halbschatten sah man einiges Gerümpel. Es war etwas dämmrig und bei weitem nicht so einladend wie die Straße draußen. Als ich etwas weiter hinein ging, wurde es immer finsterer und zuletzt stockdunkel. Ich durchschritt einige Meter die Dunkelheit und blieb dann stehen. "In einer so finsteren Ecke gibt es sicher auch einen Abstieg in tiefe Sphären", dachte ich. So blickte ich angespannt in die Finsternis. Es war nichts zu sehen, alles war Schwärze. Ich versuchte mit meinem empathischen Tastempfinden, eine Fähigkeit, die ich bei solchen Wanderungen immer habe, die Umgebung zu sondieren. Und tatsächlich, gleich vor mir, öffnete sich als Loch im Boden eine tiefe Kelleretage und Gefahr lauerte mir entgegen. Die Kelleretage schien ohne Begrenzung und weitete sich zu einer ganzen Ebene. Ich versuchte Stufen zu erspüren, aber es waren keine vorhanden; der Eingang war ein senkrechter Schacht, ein riesiges Loch im Fußboden, verborgen in der absoluten Schwärze dieses Winkels der Halle.

Nachdenklich wandte ich mich wieder dem helleren Teil der Halle zu."

"Die Höhle zum Dämmerschlaf" (eigenes Erlebnis)
".....Wir traten aus dem Tor und gelangten in eine Ebene, die uns in ihrer Tageshelle besseres verkündete, als es die soeben verlassene Sphäre zu bieten hatte. Die Umgebung vorsichtig bemessend ging ich mit meinem Begleiter eine breite Straße entlang und wir waren gerade dabei an einem betont breiten Hauseingang vorbeizuziehen, als dieser meine Aufmerksamkeit erregte und ich meinen Begleiter anzuhalten bat. Nicht weit vom Eingang führten 5 - 6 Stufen in ein tiefer gelegenes Stiegenhaus.

Mein Begleiter ging die Stufen hinunter. Ich sah ihm nach und wartete ab. Die Treppen führten zu einem höhlenartigen Kellergang. Hier war es dämmerig und Schatten im Umriss von Ratten oder großer Blutegel (theosophisch: Elementaris) huschten umher. Mein Begleiter schien diese nicht wahrzunehmen, denn sein Bewusstsein erfuhr in der Dämmerung eine zunehmende Trübung.

tiefdunkelschwarze Schatten im Umriss von Ratten huschten umher

Zusehends wurde er ziemlich willenlos und matt. Anscheinend erfasste ihn immer mehr der Wunsch sich in einen verlassenen und ungestörten Winkel auszuruhen, denn er strebte einer höhlenartigen Felsennische zu. Sie war von der Größe eines kleinen Zimmers, etwas staubig und uneben und orange-rötlich schwach beleuchtet. Dort ließ sich mein Begleiter fallen. Das Licht verblasste allmählich und jene Schattenwesen strömten herbei.

Das sah nicht gut aus, und ich rief nach meinem Begleiter und riet ihm nach oben zu kommen. In schwachen Gedankenimpulsen vernahm ich, dass er dazu nicht in der Lage sei und dass er sich zu schwach fühle, um sich zu erheben. Dennoch versuchte er mühselig herauszukriechen. Der Kellereingang jedoch hatte sich für ihn verändert. Statt der Stufen führte ein senkrechter Schacht nach oben, dessen Rand er gerade noch mühsam mit den Händen erreichen konnte. Er versuchte sich emporzuziehen, war aber zu kraftlos dazu. Er sah verschmutzt und elend aus und das in solch kurzer Zeit. Ich fasste seine Hände und zog ihn herauf. Dann trug ich ihn ins Freie. Behutsam bettete ich ihn auf einen sonnenbeschienen Platz an der Hausmauer. Innerhalb kurzer Zeit war mein Begleiter wieder hergestellt. Erstaunt betrachtete er seinen regenerierten Körper. "Das ist durch die Wirkung der Sonne", sagte ich ihm. Doch der Begleiter verstand mich nicht. Vielleicht hatte er die "Sonne", die Quelle der Kraft, nicht gesehen, so wie ich, aber das bedachte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Die jenseitigen Gesetze sind bisweilen schwer zu verstehen. Speziell kalkuliert man aus irdischer Gewohnheit nicht, dass manches unterschiedlich wahrgenommen wird."

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien