Das "Über-Selbst" (sanskr. Jivatma)

© Gauri, Regensburg

Über die Bezeichnung: Als Bezeichnung wurde jene übernommen, die Paul Brunton in seinem Buch "Das Überselbst" verwendete. In der Literatur sind zahlreiche andere Bezeichnungen in Verwendung, mit jeweils leicht unterschiedlichen Interpretationen. All dies ist eher verwirrend. Wir bewegen uns ja hier nicht in einem empirischen, sondern eher theoretischem Bereich! Man könnte fragen, weshalb wird dem überhaupt eine Bedeutung zugemessen. Nun, deshalb, weil das Überselbst so eine Art "missing link" zwischen Gott und Mensch ist.

Transzendente Aspekte des Menschen

Unter den okkulten Spekulationen über Ursprung und Gestaltung des höheren Seins des Menschen hat sich eine Anschauung gegenwärtig besonders durchgesetzt. Sie spricht von einer Verästelung nach unten (zur Verkörperung hin), beziehungsweise zu einer zunehmenden Vereinheitlichung nach oben hin, bis zur ultimativen Einheit in Gott.

Beim Menschen schaut diese Strukturierung folgendermaßen aus: zu oberst das Selbst (auch schon ein Teil von Gott oder der Allseele). Dieses inkarniert einen Teil als Mensch (mehrere gleichzeitige Inkarnationen wären auch denkbar). Unabhängig davon gibt es auch eine eigenständige Astralexistenz. Diese sammelt Erfahrungen (passiv), während die Inkarnation als Transformator psychischer Kräfte gilt. Als aktives Zentrum sendet der verkörperte Mensch selbst während des Wachseins unbewußt Teile seiner selbst wie Fühler in verschiedene Ebenen aus, die sich dort in seiner Gestalt manifestieren (Abspaltungen, Aussendungen).

    Aus Jane Robins: "Gespräche mit Seth", Seite 46
    "Wir sind in der Lage, verschiedene Gestalten geichzeitig anzunehmen, aber ihr seid es auch, obschon ihr das in der Regel nicht wißt. Eure körperliche Gestalt kann schlafend und regungslos auf dem Bett liegen, während euer Bewußtsein im Traumzustand ganz abgelegene Gegenden bereist. Gleichzeitig könnt ihr eine »Gedanken-Gestalt« von euch selber erzeugen, die in jeder Hinsicht mit euch identisch ist, und diese kann im Zimmer eines Freundes erscheinen, ohne daß ihr euch dessen bewußt seid. Dem Bewußtsein sind also hinsichtlich seiner Fähigkeit, Formen hervorzubringen, keine Schranken gesetzt.

    Praktisch gesprochen sind wir auf diesem Gebiete nur fortgeschrittener als ihr, und wenn wir solche Gestalten erzeugen, dann tun wir es mit vollem Bewußtsein.

    Denken wir wieder an die Gestalt, die ihr an die Meeresküste geschickt habt. Obgleich sie nicht mit euren eigenen physischen Sinnen ausgestattet war, war sie doch bis zu einem gewissen Grad der Wahrnehmung fähig. Ihr habt sie unwissentlich, aber aufgrund einer natürlichen Gesetzmäßigkeit projiziert. Das Bild folgt dann seinen eigenen Realitätsgesetzen, und bis zu einem gewissen Grad, der unterhalb eures eigenen liegt, hat es auch Bewußtsein.

    Nun seid ihr, wieder analog gesprochen, von einem Superselbst ausgesandt, das ein starkes Verlangen nach einer Existenz in physischer Form trug. Ihr seid keine Marionette dieses Superselbst. Ihr werdet den Gesetzen eurer eigenen Entwicklung folgen und auf eine Weise, die viel zu kompliziert ist, um sie hier erklären zu können, die Erfahrung des Superselbst mehren und sein Realitätsspektrum erweitern. Dabei fördert ihr gleichzeitig eure eigene Entwicklung und könnt außerdem von den Fähigkeiten des Superselbst Nutzen ziehen.

    Auch wird dieses Selbst, das in diesem Sinne so überlegen zu sein scheint, euch niemals verschluckcn. Da ihr existiert, sendet ihr selber, wie gesagt, ähnliche Projektionen aus. Das Bewußtsein kennt keine Grenzen, auch was die Mittel für seine Materialisierung betrifft. Ebenso sind auch den Entwicklungsmöglichkeiten jeglicher Identität keinerlei Schranken gesetzt.

    Wenn ihr euch an diesem Punkt ein intuitives Bild von der Natur der Wesenheit des Gesamtselbst machen könnt, dann wird euch klar werden, daß es euch an einen Platz gestellt hat, wo bestimmte Fähigkeiten, Einsichten und Erfahrungen verwirklicht werden können und wo eure einmalige Bewußtseinsform Nahrung findet. Die geringste eurer Erfahrungen hat auf diese multidimensionale Umwelt weit größere Rückwirkungen, als euer physisches Gehirn es sich vorstellen kann. Denn wenn ihr mit etwas, das ein unendlich winziger Aspekt der Realität zu sein scheint, intensiv beschäftigt seid, scheinbar völlig davon absorbiert, so sind doch nur die »oberflächlichsten« Schichten des Selbst auf diese Weise fixiert. Mir gefällt der Ausdruck »oberflächlich« in diesem Zusammenhang nicht; ich habe ihn aber trotzdem gewählt, um anzudeuten, daß die mannigfaltigen Teile des Selbst anderweitig beschäftigt sein können - manche davon von ihrer Realität ebenso absorbiert wie ihr von der euren.

    Die Wesenheit, das wahre multidimensionale Selbst, ist sich aller seiner Erfahrungen bewußt, und sein Wissen ist den anderen Teilen des Selbst, einschließlich natürlich des physischen Selbst, das ihr kennt, bis zu einem gewissen Grad zugänglich. Diese diversen Teile des Selbst erlangen übrigens am Ende (in eurem Sinne) volle Bewußtheit. Diese Bewußtheit verändert automatisch das, was momentan ihre Natur zu sein scheint, und mehrt die Multiplizität der Existenz."

     

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