Der Doppelgänger

Unter Doppelgänger versteht man das "feinstoffliche" Pendent eines Menschen, welches in der gewohnten Alltagsumgebung in Erscheinung tritt. Bisweilen wirkt dieses Pendent wie von einem unbewußten Automatismus her geleitet, bisweilen scheint ihm eine höhere Intelligenz inne zu wohnen. Der Mensch, von dem dieses Zweitbild stammt, ist sich des Geschehens in den meisten Fällen nicht bewußt. Diese feinstofflichen Aussendungen scheinen von relativ dichter Erscheinung zu sein.

In der Litaratur findet sich bisweilen die Bezeichnung "Vorbote". Der "Vorbote" ist eine Version des Doppelgängers und entsteht bisweilen dann, wenn eine medial veranlagte Person in Gedanken schon beim Bestimmungsort ist. Der Vorbote ist ein unbewußter Automatismus. Berichte über Doppelgänger sind in der Literatur häufig anzutreffen.

Zur Verlebendigung des Geschehens bringe ich einige Berichte aus der Literatur und aus meinem Bekanntenkreis.

Ant.: "Es war die erste Stunde im Yogikreis bei anand Guru Ananda als ich während der halbstündigen Maunaübung unter der Strahlung des verehrten Gurus folgendes Erlebnis hatte:

    Ich war gut in die Stille eingeschwungen, konnte den Bewußtseinsschwerpunkt die meiste Zeit über im Brustraum halten, doch in einen wirklich tieferen Maunazustand konnte ich nur für einige Minuten eintauchen. Ich habe ähnliche Zustände erst selten erlebt. Ich war mir des physischen Körpers nur mehr schwach bewußt und besonders wach. Plötzlich sah ich ganz deutlich den Ashram in dem wir saßen, doch war er leuchtender und heller; und dann nahm ich erfreut aber auch etwas erstaunt wahr, wie Swami Vayuananda von nebenan vom Stammashram kommend durch das Eßzimmer in den Ashram trat und sich neben anand Guru ananda setzte, wie es seine Gewohnheit ist. Seine Gestalt war aber so natürlich und fröhlich wie immer, alles war ganz selbstverständlich, nur hielt er einen Strauß goldgelb leuchtender Blumen in der Hand, die er für Guru Ananda mitgebracht hatte.

    Als ich über das Geschehens zu überlegen begann, und mir das Ganze merkwürdig vorkam, da ja Swami Vayuananda zur gleichen Zeit nebenan Stunde haben mußte, wollte ich genauer hinblicken und schon war alles verschwunden."

    Alay.: Mein "Geist Bruder"
    "Ich hatte am Oster-Sonntag abends mit Aufräumen in meinem Zimmer begonnen, Skripten ordnen usw. Da ich nicht fertig wurde und sich die diversen Papiere auf meinem Bett türmten, ging ich im Bett meines Bruders Reinhard schlafen, denn der war an diesem Tag in seiner neuen Wohnung.

    Ich schlief unruhig und wurde mehrmals wach. Mehrmals hörte ich dabei Schlafgeräusche und Seufzen, die vom Bett ausgingen, ich glaube jetzt mich erinnern zu können, daß es vor allem vom Fußende auszugehen schien. Als ich wieder einmal wach wurde, sah ich, wie mein Bruder aus dem Bett aufstand und über das Kopfende hinausstieg und aufs stille Örtehen ging. Er hatte eine eigenartige Brille auf. Dann schlief ich weiter.

    In der Früh erinnerte ich mich. Mir kam das Ganze schon etwas eigenartig vor. ASW? Hatte ich die Schlafgeräusche der früheren Nächte meines Bruders gehört oder der eben vergangenen? Vertragen sich unsere feinen Substanzen nicht? Je mehr die Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher erscheint mir die Sache, aber ich weiß, daß ich hellwach war, und das ganze Zimmer gesehen hatte. Bei den anderen Wachperioden habe ich immer auf die Uhr gesehen, bloß bei diesem Erwachen leider nicht."

    Guru Ananda: "Doppelgänger von Swami Vayuananda besucht das Kino"
    "Am 19.6.1977 beschlossen Guru Ananda und Swami Vayuananda ins Kino zu gehen. Es spielte"Der Graf von Monte Christo". Kurz vor der Vorstellung entsann sich Guru Ananda etwas zu Hause vergessen zu haben und der Swami eilte deshalb nach Hause. Dann, einige Augenblicke bevor der Swami das Kino betrat, sah Guru Ananda diesen den Saal betreten, auf sie zukomen und sich neben sie niedersetzen. Hierbei hatte Swami Vayuananda, d.h. sein Doppelgänger, genau dasselbe Aussehen wie sonst, bot also eine natürliche physische Erscheinung dar, nur mit dem Unterschiede, daß er mit einem hellen Schein umgeben war, etwa eine Handbreite stark. Als weitere Eigenart schien der Körper auch größer zu sein. Einige Augenblicke, nachdem sich der Doppelgänger neben Guru Anande gesetzt hatte, öffnete sich die Türe und Swami Vayuananda kam herein. Swami Vayuananda empfand in der Zwischenzeit keine Veränderung seines Bewußtseins."

    Unbekannte Quelle (aus DNZ)
    Klara Lettinsky, Drogistin in Hannover, erzählt heute die Geschichte ihrer Doppelgängerin:  "Februar 1943.
    Ein kalter Kriegswinter.
    Es ist Freitagabend. Beladen mit der Einkaufstasche öffne ich die Haustür. Ich wohne zur Untermiete im vierten Stock. Als ich endlich oben bin, höre ich Schritte hinter mir. Seltsam leichte Schritte. Ich bleibe stehen. warte einen Moment, um zu sehen, wer da kommt. Näher, immer näher kommen die Schritte. Aber noch ist niemand zu sehen. Mir wird unheimlich zumute.

    Und dann das Unfaßbare...

    Eine junge Frau taucht unten am Treppenabsatz auf. Mein Ebenbild! Irgendwo hatte ich gelesen, daß es sogenannte Doppelgängererscheinimgen gibt. Aber ich hatte das nicht geglaubt. Aber jetzt . . . jetzt steht mein Doppelgänger leibhaftig vor mir!

    Reglos, wie eine Statue, steht die Erscheinung unten auf der Treppe, blickt mich unentwegt an.

    Da schreie ich: ,,Wer sind Sie ... was ... was wollen Sie von mir?"

    Keine Antwort.

    Plötzlich dreht sich die Erscheinung um, hastet die Treppen hinunter. Ich stürze der Unbekannten hinterher. Als ich durch die Haustür laufe, empfängt mich die Stille der abendlichen Straße. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen.

    Ich starre in die Dunkelheit, dann schüttele ich den Kopf. Vielleicht habe ich mir das alles nur eingebildet. Meine Nerven sind in letzter Zeit nicht die besten. Das viele Alleinsein bekommt mir nicht. Ich leide unter Halluzinationen....

    Ich nehme mir vor, mit meinem Arzt darüber zu sprechen.

    Völlig verwirrt, die schwere Einkaufstasche in der Hand, gehe ich wieder nach oben. Ich habe kaum den ersten Stock erreicht, als ich die Explosion höre.

    Ein dumpfes Grollen läßt die Fensterscheiben im Treppenhaus erzittern. Ich bin zu Tode erschrocken. Das Geräusch kam von ganz oben.

    Ich wohne zur Untermiete bei einer pensionierten Studienrätin. Die alte Dame hat noch ein weiteres Zimmer an einen kriegsversehrten Studenten vermietet.

    Wohnungstüren öffnen sich. Schreie werden laut. Das ganze Haus ist in Bewegung geraten.

    Außer Atem erreiche ich den vierten Stock. Die Tür hängt nur noch in den Angeln. Putz bröckelt von den Wänden. Die Wohnung ist verwüstet. Am schlimmsten sieht es jedoch in der Küche aus.

    Auf einer Matratze liegt der kriegsversehrte Student. Tot.

    Er hatte den Gashahn aufgedreht. Durch einen elektrischen Funken war es offensichtlich zur Explosion gekommen.

    Auch ich hätte aller Wahrscheinlichkeit nach mein Leben verloren, wäre zumindest aber schwer verletzt worden, wenn ich mich in der Wohnung aufgehalten hätte.

    Meine Doppelgängerin hat mir das Leben gerettet

    Noch zweimal hat mich meine Doppelgängerin vor Gefahr bewahrt.

    Es war in Bad Pyrmont. Ich war dort zur Kur und wollte eine Freundin besuchen. Auf dem Weg erschien sie mir, meine Doppelgängerin. Ich wurde blaß vor Schreck. Als sie verschwunden war, beschloß ich, den Besuch zu verschieben. Am nächsten Tag erfuhr ich, daß die Söhne der Freundin an Typhus erkrankt waren. Einer von ihnen starb. Das Haus wurde unter Quarantäne gestellt. Wäre ich vorher hineingegangen, hätte ich mich wahrscheinlich angesteckt.

    Das dritte Mal bewahrte mich die Doppelgängerin davor, in ein Flugzeug einzusteigen, das abstürzte."

    Anag.: Aus dem Tagebuch:
    13.4.1980 Meine Mutter saß im Auto (kein Traum) u. beobachtete meine Rückkehr vom Waldspaziergang. Sie hatte eine Stunde lang gelesen u. die Augen waren angestrengt. Ich war auch müde vom langen Weg. In einer Entfernung von 3oo m sah sich mich kommen u. bemerkte jemanden, der mich um eine halbe Leibeslänge überragte und dicht (Körper an Körper) hinter mir ging. Sie erschrak u. erkannte , daß es mein Abbild war, nur heller "wie eine Birke". Je näher ich kam, umso kleiner wurde der Doppelgänger. Einige Meter vor dem Auto überragte er mich nur noch um die halbe Kopfhöhe."

    Wladimir Lindenberg: "Gottes Boten unter uns",
    Seite 120. Ernst Reinhardt Verl., München, Basel, 1967
    Lu Timmermans war mein Freund. In der Zeit unserer Studien in Bonn verbrachten wir zusammen wunderbare Stunden mit tiefschürfenden Gesprächen - mit Gesprächen, wie sie nur junge Menschen mit Begeisterung und Hartnäckigkeit führen können, Tage und Nächte hindurch, bei einem Glase Wein, nicht achtend der Müdigkeit. Man konnte nicht tief genug in die Geheimnisse der Natur, der Religionen, der Weltanschauungen eindringen.

    Lu verreiste nach Brüssel, um seinen Vater, den bekannten Komponisten, und seinen Verwandten, den Schriftsteller Felix Timmermans, zu besuchen. Ich brachte ihn selbst an den Zug. Einige Tage später überquerte ich die Remigiusstraße. Ich muß bekennen, daß ich nie sehr sorgsam über die Straße ging, wie es sich für wohlerzogene Bürger gehört. Ich schaute mich also auch diesmal nicht um, ob ein Auto herannahe. Ich hatte meinen Fuß schon auf die Straße gesetzt. Da sehe ich auf der anderen Straßenseite meinen Freund Lu, wie er mir heftig und mit allen Zeichen des Entsetzens abwinkt. Ich stutze und trete wieder auf den Bürgersteig zurück. Im gleichen Augenblick saust ein Auto an mir vorbei, das mich unweigerlich überfahren hätte. Ich holte tief Atem, um mich von dem Schreck zu erholen, und will dann Lu für die Errettung danken. ,,Wie seltsam", dachte ich, ,,er ist doch in Brüssel!" Ich suchte ihn und konnte ihn nicht finden. Ich hatte ihn aber leiblich gesehen. Ich rief bei seiner Mutter an. ,,Sie haben ihn doch selbst zur Bahn gebracht!", meinte sie etwas verärgert.

    Einige Tage später schrieb mir Lu: ,,Ich hoffe, daß du gesund bist und dir nichts zugestoßen ist. Am Montag saß ich in meinem Zimmer und las, da wurde ich ganz unvermittelt und ohne jeden Anlaß, ich hatte gar nicht an dich gedacht, von einer Angst um dich ergriffen und von einem Gefühl, ich müßte dich beschützen. Dieser Zustand dauerte nur einige Sekunden, dann wich die Angst von mir. Bitte schreib mir, ob du gesund bist."

    Guru Ananda, 26.5.1979: Doppelgänger von D.
    "Als sich nach der Stunde alle Chelas um die zwei Gurus versammelt hatten, sah Guru Ananda dicht neben Yogi D. dessen Doppelgänger sitzen. Dieser war etwa eine Handbreit größer, etwas blasser und genau gleich gekleidet wie Yogi D..

    Am Morgen desselben Tages war Yogi D. von einer weiten Urlaubsreise zurückgekehrt und noch stark übermüdet."

    OBE Brief 136     ".....Vor 8 Jahren waren wir, mein Mann, unser Sohn und ich in Griechenland. Wir waren am Strand, und alle in guter Verfassung - Sorgen und Probleme waren unendlich weit weg. Ich hatte eigentlich nur ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Eltern versprochen hatte sie anzurufen. Das hatte ich noch nicht getan. Plötzlich überfiel mich eine bleierne Müdigkeit, und ich mußte intensiv an meinen Vater denken. Ich ging in unser Wohnmobil und legte mich zu einem kurzen Nickerchen hin. An meinen Traum konnte ich mich sehr gut erinnern:

    Ich befand mich im Garten meiner Eltern, betrat durch den Hintereingang das Haus meiner Eltern, meine Mutter starrte mich fassungslos an. Ich ging weiter in das Schlafzimmer meiner Eltern und war erstaunt, meinen Vater bei herrlichem Sonnenschein im Bett liegend zu sehen. Mein Vater zitterte ganz schrecklich und nahm seine Umgebung nicht wahr. Ich setzte mich auf sein Bett und rezitierte unendlich oft ein Mantra. Dann ging ich wieder hinaus, vorbei an meiner Mutter - in den Garten, wo einige Nachbarn am Zaun standen. Dann wachte ich auf.

    Mein erster Gedanke galt diesem Traum - ich suchte das nächste Telefon, das auch geeignet war ins Ausland zu telefonieren.

    Meine Mutter meldete sich und war sehr verärgert, weil ich grußlos an ihr vorbeigegangen war. Sie regte sich furchtbar auf und warf mir vor, gar nicht im Urlaub zu sein. Ich sollte sofort kommen, da mein Vater wieder einen starken Malaria-Anfall hätte und der Arzt geraten hatte, Ihn nach Gießen in die Uni-Klinik zu bringen. Sie bräuchte mich jetzt mehr denn je. Alle meine Versicherungen, ich sei tausende von Km von Ihr entfernt, glaubte sie mir nicht. Sie hätte mich im Garten gesehen. Ich sei an ihr grußlos vorbeimarschiert, sei zielstrebig ins Schlafzimmer gegangen und hätte mich auf das Bett meines Vaters gesetzt. Ich solle jetzt nicht weiterlügen - schließlich hätten mich auch etliche Nachbarn gesehen.

    Mein Vater ist übrigens nicht ins Krankenhaus gekommen. Meine Mantras - oder vielleicht die Medikamente? - haben gewirkt.

    Ich habe nicht die geringste Ahnung wie ich diesen "Doppelgänger" erschaffen habe. Scheinbar scheine ich häufig aus meinem Körper "auszureißen". Jahre später passierte etwas ganz ähnliches. - Aber dazu vielleicht mehr zu einem späteren Zeitpunkt....."

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien