Der Lebensraum des Menschen

 Grundlegendes

Unser Lebensraum ist jener Raum, der schon von Anbeginn unserer Kindheit bedeutungsvoll für uns war, es ist der der Raum, den wir auch am besten erforscht haben, das heißt, es ist der Bereich, den wir mit den differnziertesen Nuancierungen in unserer Psyche bereichert haben.

Je andersartiger Situation und Umgebung im Traum sind, desto stärker wird deren symbolhafter Charakter unterstrichen.

 Berg

© Gauri, Regensburg

Für den Berg gilt: eine Niveauerhebung ist eine Bewußtseinserhebung. Beim Berg strebt der Boden dem Himmel zu. Diesen kosmisch-himmlischen Symbolwert trägt der Berg oft in sich z.B. mythologisch der Weltenberg (Olymp, Horeb, Meru, Fujijama).

Eine Notiz aus einem Traumtagebuch: "Als ich einen Berg erklommen hatte, konnte ich rundherum bis in die weite Ferne blicken. Da ahnte ich, nach der Arbeit um Graderhöhung (Aufstieg) erfüllt sich die Sehnsucht nach klarer Sicht, nach klarer Bewußtheit."

C.: "Ich kletterte eine Art Berg empor. zuerst ging es überraschend leicht, dann aber wurde der Berg immer steiler und glatter. Er war ganz weiß (jedoch kein Schnee). Das letzte Stück war hinter einer Wand verborgen, ich konnte es nicht sehen. Eine Stimme sagte: "Das letzte Stück schaffen nur die Heiligen, weil sie schweben." Ich wollte aber nicht aufgeben und kämpfte weiter. Da glitt ich endgültig auf dem spiegelglatten Abhang aus und rutschte in Spiralen blitzschnell abwärts."

A.: "Ich sehe vor mir eine Landschaft, die in tiefe Nebel oder Wolken gehüllt ist. Nur eine Stelle in meinem Gesichtskreis bildet eine Lichtung, die im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen leuchtet. Dann befand ich mich selbst auf dieser Lichtung, die nun wie eine Insel in der Landschaft ein sonnenbeschienener Berg war."
Hinweis: der Nebel betont die von der Welt abgehobene Erhabenheit des Berges.

Zerklüftete Felslandschaft:

© Gauri, Regensburg

Es hat den Anschein als ob die Felsen als Element der tiefe nach oben aufbrechen möchten und sich der Übergang zwischen Unbewußt und Bewußt auflockere. (siehe Traum "Golem" in Kap. "Schwellensymbole")

 Wald

© Gauri, Regensburg

Der dichte Wald (Urwald) ist ein Bereich, in den kein Tageslicht fallen kann. Es herrscht hier stete Dämmerung, welche die Wege unsicher und gefährlich macht. Mitunter leben auch gefährliche Wesen darin, die den Menschen bedrohen. Dunkelheit und Zwielicht sind stets ein Zeichen für einen dem Bewußtsein entzogenem Bereich. Im Vergleich zur Höhle stellt der Wald einen mehr vegetativen, kräftebezogenen Bereich dar (während die Höhle mehr den Aspekt der Latenz - wie ein Same in der Erde - hat). Eine reichhaltige Quelle an Waldsymbolik findet sich in den Märchen.

    C.: "Ich belehre jemanden über einen Traumplaneten. Ich sage: In dieses Universum, auf diesen bestimmten Planeten können nicht alle kommen, es gibt strenge Einreisebedingungen. Nur die, welche innerlich reif sind dürfen dort hin, denn dieser Planet ist ein Traumplanet. Je nachdem, wie der Mensch innerlich ist, so ist auch seine Umwelt, weshalb der Aufenthalt dort auch einigermaßen gefährlich sein kann. Ich zeige darauf ein Bild, in dem ein Mann in einem finsteren Wald sich befindet, von merkwürdigen, amorphen Schattengestalten mit glühenden Augen umstellt. Darauf ein anderes Bild: ein Jüngling in weißer Tunika mit einer Lyra in der Hand, von einer Rosenlaube umgeben."

Als Bereich des Unterbewußtseins kann der Wald auch ein Ort der Kraft und Erneuerung sein -

© Gauri, Regensburg

"Heiliger Hain".

    C.: Kindheitstraum "Ich liege auf dem Rücken in weichem, warmen Sand in einer Mulde zwischen den Wurzeln riesiger Bäume. Ich bin vollkommen glücklich, denke an nichts und schaue still zwischen den Kronen der Bäume auf den blauen Himmel."

    C.: "Der Glockentempel": "Ich gelange in einem Wald zu einem chinesischen Glockentempel, der in der Mitte eine riesige Metallglocke, an den vier Pfeilern aber vier große Glasglocken besitzt, die zusammen wunderschön erklingen."

 Haus

© Gauri, Regensburg

Häuser als Traumsymbole sind dann von Bedeutung, wenn es sich um das eigene Haus handelt. Das Haus vertritt in seiner Symbolik den Menschen in seiner Gesamtheit, oder es symbolisiert einen Seelenaspekt, der in seiner Bedeutung persönlichkeitsprägend ist oder sein könnte.

Hier ein Haus-Traum, in welchem ein Yogaschüler durch inneren Fortschritt seine Persönlichkeit immer höher zu entfalten erhofft:

    "D. und ich sind von den Gurus in den Yoga eingeladen. Sie führen uns in einen schrebergarten, in dem ein kleines Häuschen steht. Durch dieses gehen wir durch. Da sehen wir, daß dahinter weitere Gebäude sind, die immer größer und schöner werden. Die Gurus führen uns durch aalle diese Gebäude. Alle Häuser sind an einen Hang gebaut und man gelangt von einem zum anderen über verschiedene Wege und Treppen und Terrassen. So steigen wir immer höher, von Haus zu Haus. Schließlich stehen wir vor einem palastartigen Gebäude. Dort blicken wir aus dem Fenster und haben einen wunderschönen Ausblick in eine weite Ebene."

Einzelne Detailelemente:

  • Keller: Bereich des UBW
  • Wohnräume: Bereich des Bewußtseins.
    • Arbeitsraum: Bereich der Tätigkeiten
    • Schlafraum: Bereich der Erholung und des Trieblebens
    • Speisekammer, Küche: Bereich der Ernährung bzw. Bereich der Kräfteerneuerung und -stärkung
  • Dachgeschoß: Bereich der Vorstellungen und Ideen
  • Fenster: Aspekt des "Sehens", Erkennens in Hinblick auf Dinge und Geschehen in unserer Umwelt
  • Eingangstor: Bereich der Aktion und Wechselwirkung mit der Umwelt
  • Telefon: mentale Kommunikation
  • Radio: Empfang von Informationen
  • Fernseher: Eindrücke über Geschehen jenseits einer Bewußtseinsschwelle
  • Möbel: diese sind vom Menschen geschaffene Objekte in einer künstlichen Umwelt, im Gegensatz zu Gräser und Büschen als natürliche Objekte in einer natürlichen Umwelt. In solchen Möbel-Träumen handelt es sich in der Regel nicht um die Objekte per se, sondern um die Beziehung zu den Objekten, sprich zu Inhalten einer selbstgeschaffenen Anschauungswelt im Gegensatz zur Natur, einer gewachsenen, natürlichen Welt.

      A.: "Mit Einwilligung meines Mannes deponierten die Nachbarn ihre Möbel im Garten, indem sie sehr zu meinem Unwillen die üppigsten Gras- und Blumenstellen überschichteten, dermaßen, daß vom Grün bald nichts mehr zu sehen war."
      Kommentar: "Den Abend zuvor erzählte mir ein verzweifelter und weinender Sandler sein Leben (15 Jahre unschuldig im Gefängnis), dass mich zutiefst berührte. Meine Reaktion war Flucht und Ablehnung einer Realität, die nicht in "die heile Welt" passte. Ich deutete den Traum so, daß die Möbel die künstliche Gedankenwelt der "heilen Welt" darstellten, welche die Wirklichkeit überschichteten. "Mein Mann" stellte den mentalen Tataspekt meiner selbst dar und die Nachbarn die nebenan existierende Welt."

  • Neubau: oftmals Symbol für einen Neuanfang und eine Neugestaltung der Persönlichkeit

      Garten

  • © Gauri, Regensburg

  • Der Garten ist künstlich gestaltete Natur und steht damit als Symbol für willentliche Eingriffe des Menschen (durch Ideale, moralische Vorstellungen und sonstige Werte) in die Bedürfnisse von Körper, Vitalenergie, und Sexualität. Diese Einwirkung durch Sport, Toleranz oder durch Verdrängung und Einseitigkeit zeigt sich in der mehr oder minder großen Künstlichkeit der Gartengestaltung.

    Ein französischer Garten, gekennzeichnet durch Geometrie und Zuschnitt von Bäumen und Sträuchern, weist darauf hin, daß die Lebensweise in Hinblick auf Ernährung, Kleidung, Bewegung, Sexualität ausschließlich von Verstand oder Tradition geprägt ist, ohne Rücksicht darauf, ob dies in Konflikt mit der Natur steht oder nicht.

  • © Gauri, Regensburg

  • Bild: Der Zeichner dieses Gartens war sehr intellektuell, sehr moralisch, verhemmt und wenig explorativ. Er versuchte alle Gebote einzuhalten, um die höchsten ethischen und moralischen Wertigkeiten zu erfüllen - dies ging oft nicht ohne Disziplin und Zwang gegenüber natürliche Regungen. Bei der ersten Darstelllung eines Gartens, zwei Jahre davor, befand sich an Stelle der zugeschnittenen Baumallee eine Betonmauer.

  • © Gauri, Regensburg

    Oft hat der Garten einen ganzheitlichen Charakter und stellt den Menschen in seiner Gesamtheit dar. Wir finden diese Art der Darstellung ebenfalls in Gärten aus Mythologie und Religion; uns allen bekannt der Paradiesgarten. Zumeist ist in diesen Gärten das Zentrum ein Baum oder Berg, etwas, das sich gegen Himmel erhebt und mit diesem eine Verbindung schafft (gilt auch für Bäume - siehe Schamanismus). Von diesem erhöhtem Zentrum in der Mitte ausgehend sind Quellen, die zu Flüssen werden, als Symbol dafür, daß alles Leben auf Erden von der gottnahen Mitte her gespeist wird. Um das Zentrum sind dann diverse Lebensräume, oft differenzierten Aspekten zugeordnet. Am Rande ist das Meer oder der Abgrund, Symbol für das chaotisch Unbewußte, das den bewußten Lebensraum umgibt.

    Auch die Städte der Vergangenheit wurden nach diesem Muster gebildet: In der Mitte die Kirche, das Heiligtum oder der Palast des Herrschers. Dann die Stadt, begrenzt von der Stadtmauer und dahinter das dem Feind ausgesetzte (dem Chaos preisgegebene) Land.

     

    © copyright Alfred Ballabene, Wien