Energiearten bzw. Erscheinungsbild der Kundalini

 Die Inder als begeisterte Systematiker teilen der Kundalini verschiedene Qualitäten zu. Im Internet oder Büchern hört man nur wenig darüber - man spricht meistens von "der Kundalini". In einer solchen vereinfachten Version kann man unter "Kundalini" nur noch einen Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Energien und ihre Erscheinungsweisen verstehen.

Indische Einteilung verschiedener Energiekanäle innerhalb der Wirbelsäule
Die inneren Schichten sind feinere Kanäle für feinere Energien.

Nach den Vorstellungen des indischen Yoga ist die Kundalini in ihrer Menge stark mit dem Atem verknüpft. Es heißt, dass eine Basisenergie, aus der sich später die Kundalini durch einen inneren Prozess bildet, mit dem Atem eingenommen wird = Prana. Dieses Prana, also die Primärenergie, wird im Menschen in verschiedene Energiearten umgewandelt - das sind die fünf Pranavayus: prana, apana, samana,udana und vyana. Aus ihnen entsteht durch einen inneren Umwandlungsprozess die ätherische Energie, die man Kundalini nennt.

Auf der feinstofflichen Ebene, der die Kundalini zugehört, scheint der Unterschied zwischen Energie und Substanz zu verfließen. Das ist auch die Ursache für die sprachliche "Ungenauigkeit", die sich zeigt, wenn man einmal von "Energie" und einmal von "feinstofflich" spricht.

Der indische Kriya Yoga lehrt, daß die Kundalini durch die Wirbelsäule in verschiedenen Qualitäten fließt. Die hierbei getroffene Einteilung paßt sehr gut zu den praktischen Erfahrungen der Kundalini und erlaubt auch eine brauchbare Einteilung.

von unten nach oben:

  • Wirbelsäule - Merudanda (siehe Berg Meru und die Zusammenhänge zwischen Mythologie und Yoga)
  • der Kanal des Prana in der Sushumna - ätherische Hülle
  • Kanal des Rajas (Rajas ist Hitze, Aktivität) in der Vajrini
  • Kanal der Chitrini - das ist der Kanal, durch den das Licht fließt, wodurch der höchste Bewußtseinszustand erreicht wird

In Anlehnung an diese Yoga Überlieferung werde ich die Phänomenologie der Kundalini bzw. die Übungssysteme des Kundaliniyoga in vier Hauptgruppen treffen:

Wirbelsäule - Körperübungen

der Kanal des Prana in der Sushumna - ätherische Phänomene wie Wellen, Vibrationen etc.

Kanal des Rajas  in der Vajrini - Hitzeerscheinungen

Kanal der Chitrini - das ist der Kanal, durch den das Licht fließt - Bewußtseinszustände, Lichtübungen

 In Europa dagegen hat sich eine Einteilung von Kräften/feinstofflichen Substanzen eingebürgert, die sich weniger auf die Qualität bezieht, sondern auf die Dichte. Es handelt sich hierbei um Ektoplasma. Dies ist eine dem Menschen inhärente Substanz, die man wahrscheinlich dem phänomenologischen Gebiet rund um die Kundalini zuordnen kann. Diese Sichtweise findet sich vor allem in der Parapsychologie und dem Spiritismus.

Ektoplasma (Bioplasma) ist die dichteste Manifestation innerer Energien. Es kann im Zustand der Tieftrance aus verschiedenen Körperöffnungen austreten (Mund, Nase, Ohren, Brüste, Vagina) und strömt dann im langsamen Fluss (wie zäher Honig) nach unten (gehorcht der Schwerkraft). An den Rändern verdampft es - sieht aus wie flüssiger Stickstoff mit seiner Dampfabgabe.

Das Ektoplasma wird im indischen Yoga kaum erwähnt. Dagegen sehr wohl eine höhere Schwingungsform vom Ektoplasma, genannt "Amrita". Amrita ist gold-leuchtend, flüssiger als Ektoplasma und verdampft nicht an der Oberfläche. Es ist die Substanz, aus der Götter ihren Erscheinungskörper bilden können, die heilend ist und Wunder bewirken kann. Im Körper angereichertes Amrita ist ein Kennzeichen der Vollendung des Kundalini Yoga.

Nach der Mythologie fielen bei der Erschaffung der Welt vier Tropfen Amrita auf die Erde. An diesen Stellen finden sich die heiligsten Orte Indiens, jene vier Pilgerorte, an denen das größte indische Fest, das Kumbha Mela statt findet. Zum Kumbha Mela versammeln sich Millionen Gläubige, um in den Ganges zu tauchen, dessen Wasser durch diese Amrita-Tropfen in dieser heiligen Zeit besonders reinigend sind. Die vier Pilgerorte heißen: Allahabad, Haridwar, Ujjain und Nashik.

Shiva mit vier Krügen Amrita - Hinweis auf die vier heiligen Pilgerorte.

Unterschiede zwischen Ektoplasma und Amrita:

Ektoplasma:

    • Farbe: weiß bis dunkelgrau. Kann auch körnige Einschlüsse haben.
    • Geschmack: keiner
    • Wirkung: ist verantwortlich für zahlreiche paraphysikalische Vorgänge (Spiritismus).
    • Kann zum Heilen verwendet werden.
    • Tritt an Körperöffnungen aus.

Amrita:

    • Farbe: gold bis weißgold
    • Geschmack: angenehm süß wie Blütennektar
    • Wirkung: spirituelle, ekstatische Zustände,
    • Heilkräfte Aus dem Amrita des/der Yogis/ini (Spender) können Erscheinungskörper der Gottheiten gebildet werden.


 

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