Kundalini Übungen

Grundsätzliche Einstellungen zur Meditationsauswahl

Kundalini Praktiken laufen unter den verschiedensten Bezeichnungen und sind die zentralen Übungen im Kriya Yoga, orthodoxen Hatha Yoga, um nur einige wenige zu nennen. Hierbei gibt es eine unterschiedliche Palette mit aggressiven Übungen wie Rechaka (Hechelatem) und Kumbhaka (Atemanhalten) auf der einen Seite, bis zu "sanften" Techniken wie Lichtmeditationen und Erwärmungsübungen auf der anderen Seite. Auf Wunsch meines Gurus habe ich immer nur die sanften Techniken angewendet und weiterverbreitet. Mein Guru stand mit dieser Ansicht nicht alleine und viele Meditationslehrer teilen diese Auffassung. Mittlerweile, im Laufe der Jahre, wurde ich in dieser Ansicht meines Gurus bestärkt.

Gut durchgeführt, erhöhen die Kundaliniübungen die Vitalität und das Lebensgefühl. Auch wenn kaum die erwartete Erleuchtung durch diese Übungen erreicht wird (meistens der Grund, weshalb sie überhaupt durchgeführt wurden), so sind es die Übungen wert praktiziert zu werden.

Energie in den Zeigefinger lenken
(Anfagsübung, um erste Erfolgserlebnisse zu erlangen)

    Wir strecken den Zeigefinger in die Höhe oder vor uns hin und konzentrieren uns darauf, daß der Finger warm wird.

    In der Fortführung der Übung stelle Dir vor, wie Energie aus Deinem Finger strömt.

    Erweitere diese Übung, indem Du sie mit der ganzen Hand machst. Laß die Hand warm werden und fühle wie Energie aus ihr strömt. Du fühlst Dich von Energie durchflutet und kannst diese Energie überall dorthin leiten wohin Du willst.

Imagination: "Presse eine Eisenstange"

    Stelle Dir vor Du hältst zwischen Deinen beiden Handflächen eine Eisenstange von der Länge Deiner Schulterbreite. Nun beginnst Du diese Eisenstange langsam zusammen zu pressen. Die Eisenstange wird hierbei ganz warm bis heiß. Du fühlst diese Wärme in Deinen Handflächen und auch den Druck. Langsam preßt Du diese Eisenstange immer mehr zusammen, bis Du mit ihr in Deinen Händen eine Kugel formen kannst.

Lichtkugel

Fortsetzung der vorhergehenden Übung ("Pressen einer Eisenstange").

Du hältst zwischen Deinen Handflächen eine glühende Lichtkugel aus Energie. Fühle sie.

Du richtest Deinen Blick schräg nach oben und imaginierst, wie kosmische Energie in die von Dir gehaltene Kugel einfließt. Die Energiekugel beginnt dadurch in Deinen Händen zu wachsen und verfärbt sich allmählich zu goldgelber Farbe.

Indem die Lichtkugel wächst hebst Du Deine Arme langsam in die Höhe und weitest sie.

Nun beginnt all die Energie aus der kosmischen Kugel langsam in Dein Anahata Chakra einzufließen. Die Kugel wird hierbei kleiner, bis Deine Handflächen einander beinahe berühren. Nun führst Du diese verbleibende Lichtkugel in Dein spirituelles Herz (etwas oberhalb des Herzens, in der Mitte der Brust), wo sie den ganzen Tag über leuchtet und Dich mit Energie erfüllt. Deine Hände schließen sich zur Gebetshaltung.

Wärmekreisläufe, Energiekreisläufe

Entlang verschiedener Meridianbahnen lassen wir in der Vorstellung Wärme kreisen, so lange, bis wir die Wärme fühlen

Die Hauptmeridiane (sanskr. Nadis) im Yoga sind in der Mitte der Vorder- und Rückseite des Rumpfes und Kopfes und bei den großen Kreisläufen zusätzlich der Beine und Arme. Der Tae-Mo ist der Gürtelmeridian (und läßt sich durch leichten Druck mit dem Daumen auf den Beckenrand erwärmen).

Beim Energiekreisen läßt man in der Vorstellung Energiepakete (oder Wärme-) entlang dieser Bahnen kreisen. Es ist günstig das Energiekreisen mit dem Atemrhytmus zu koppeln.
Wenn man die Wärme voll empfinden kann, geht man zum Lichtkreisen über.

Feuersäule

Wir stellen uns eine Bahn von feuriger Energie vor, welche entlang der Wirbelsäule fließt. Vom Muladhara beginnend strömt sie aufwärts, um aus dem Meditationschakra springbrunnenartig als Licht hervorzutreten. Dieses Licht verteilt sich über die Oberfläche unseres Körpers.

Quirln der Wirbelsäule

    Wir stellen uns die Wirbelsäule als von nebelhafter Konsistenz vor, als einen dicken Stab aus ätherischer Energie, Prana, Chi. Wir bringen in der Vorstellung diesen Stab in Rotation. Im Laufe der Übung, wenn diese gut gelingt, kann dieser Stab lichthaft werden.

Nach der Quirl Übung träume ich:
Ich quirle; die Hitze steigt bis ins Anahata. Plötzlich sehe ich strahlend schön und warm die Sonne. Es ziehen Wolken auf, doch ich kann sie durch Konzentration auf die Sonne vertreiben. Abschließend sehe ich noch einen Garten in wunderschönen Farben, ganz plastisch und real. Langsam löst sich der Garten auf." (Su)

"Ich träume. Plötzlich knallt es. Es folgen noch einige Knaller, wobei gleichzeitig weißes Licht aufblitzt. Ich wache auf und kann eine Stunde nicht einschlafen." (Su)

"Spontan treten Longitudinalwellen in der Wirbelsäule auf. Weiters kann ich bei der Übung "Quirln des Milchozeans" (Zweitname der Übung nach einem Geschehen in der indischen Mythologie) regelmäßig ein Rieseln entlang der Wirbelsäule nach oben feststellen. Dies führt zu einer guten Belebung des Anahata und Ajna Chakra." (Ud)

"Um halb fünf Uhr morgens erwache ich und spüre wieder das typische hochfrequente Vibrieren im ganzen Körper. Gleichzeitig höre ich ein starkes Summen. Das Geräusch ist vergleichbar mit Hubschrauberpropellern, bestehend aus einem höheren Summton und einem gleichzeitigen Knattern. Später wird dies zu einem einheitlichem Summen.
Es entsteht das Empfinden, als ob alles um mich zu schlingern beginnen würde. Dann spüre ich wie die Kundalini sich schlangenartig in Wellen aufwärts bewegt (1 1/2 Wellenlängen für die gesamte Wirbelsäule)." (Ud)

OM-A-HUM

Dies ist eine traditionelle tibetische Meditation:

    "Laß Deine Vorstellung mit dem Atemrhytmus auf und ab fließen, so wie es Dir in der Übung gesagt wird. Nach Gebet und Opfer (imaginäres Selbstopfer), so beginnen im Buddhismus alle Übungen, laß die heiligen Töne mit Deinem Atem fließen.


    Lasse mit dem Ton A (oder dem Mantra PHEM) eine rote Flamme von der Basis der Wirbelsäule aufsteigen. Sie steigt aufwärts und verläßt den Scheitel. Im kosmischen Klang OM tönend fließt es als weißer Nektar wieder herab, außen und innen, Dich reinigend.

     

    Dein Bewußtsein verbindet sich mit dem blauen Mantra HUM und weitet sich zu kosmischer Dimension. Es weitet sich zu endlosem Raum, diesen mit seinem blauen Licht erfüllend und mit Liebe und Frieden."

Lichtbahn

Dies ist eine dem tibetischen Yoga nachempfundene Übung (So).

    "Nach einer Einstimmung durch ein bewußtes Durchtasten und Beleben des gesamten Körpers, von den Fußsohlen beginnend bis zum Scheitel aufsteigend, beginnt die eigentliche Übung. Der Körper wird vollkommen bewußt erlebt.

    Nun beginnt die Visualisation eines Lichtfadens. Dieser Lichtfaden verläuft durch die Wirbelsäule, geht aber in beiden Richtungen über den Körper hinaus. Seine Farbe ist rotorange, die anfängliche Dicke ist bei mir ungefähr 4 mm. Wenn auch von Lichtfaden gesprochen wurde, so hat das Ganze mehr die Erscheinung eines Laserstrahles.

    Dieser Strahl, diese Lichtbahn, nimmt während der Übung im Durchmesser zu. Nach meiner Erfahrung gelingt es jedoch nicht den Durchmesser beliebig zu erweitern, es sei denn, man gibt sich mit einer (nicht ganz befriedigenden) Vorstellung zufrieden. Maximale Dicke war für mich etwa Armdicke.

    Wenn dann diese Säule ihren endgültigen Durchmesser erreicht hat, beginnt die zweite Übungsphase. (Es kommt häufig vor, daß bei gelungenem ersten Teil ein Ton zu vernehmen ist, der bei mir etwa dem A entspricht und leicht vibriert.). Es beginnt sich nun eine Lichtwolke auszubreiten, die von der Lichtsäule ausgeht. Die Farbe ist hellorange. Dabei ist es hilfreich, sich den Körper als dünne, glasartige Schale vorzustellen. Die Lichtwolke füllt den gesamten Körper auf.

    Wenn die Übung bis dahin gut gelungen ist, kann man eine dritte Phase anknüpfen: es entwickelt sich eine gelbgoldenen Strahlung, die von diesem inneren Licht ausgeht, und in den umliegenden Raum ausstrahlt.

    Die Übung beendet man am besten, indem man zu einem Gefühl der kosmischen Liebe übergeht."

Beobachtung eines Energiestromes:

"Als ich Ende Oktober Su besuchte und mich selbst in einem entspannten und eher angeregten Zustand befand, fiel mir auf, daß bei mir ein gewisser Grad von Aurasicht spontan auftrat, und zwar gleich beim Betreten der Wohnung, bei normaler Beleuchtung und normaler Tätigkeit. Die Sinneseindrücke waren deutlich und intensiv. An Sunam war eine deutliche hellgrüne (grasgrüne) leuchtende Zone zu erkennen und etwas schwächer ein helles Gelb. Um Sunam war eine geflammte tiefblaue Zone, etwa ultramarinblau. Im Raum waren außerdem Ratnavat, Mandsana und Amra. Ich sah mir während des Gespräches alle unauffällig an. Sämtliche Farbeindrücke waren mit unmißverständlichen seelischen Qualitäten behaftet.


Das auffälligste Phänomen war ein von Mandsanas Kopf aufsteigender Strom, eine Säule, wie der Strahl eines Springbrunnens, von etwa 20 cm Durchmesser. Die Flußgeschwindigkeit war etwa 30cm/sec. In dieser bündelig fließenden Säule stiegen ebenso kleine kugelartige Gebilde von etwa ein bis zwei Zentimeter Durchmesser auf." (So)

Kundalini Meditationen nach Lawapa

E. Wentz: "Yoga Tibets", S.139
Lama Anagarika Govinda: "Grundlagen tibetischer Mystik" S.182-185

Lawapa war ein Gelehrter in Urgyan, einer Gegend im jetzigen Afghanistan. Aus der selben Gegend stammte Padma-Sambhava, der die tantrischen Techniken des Lawapa nach Tibet brachte.

Bevor der Meditierende mit den Hauptübungen beginnt bereitet er sich in fünf 'Vorbereitenden-Übungen' vor. Die Vorbereitungen beinhalten Einzelteile der Hauptübung, die für sich alleine in der Vorstellung verrichtet werden können, sowie Atemübungen und Reinigungsübungen (Bhaktameditationen). Erst wenn der Praktizierende darin genug Praxis erworben hat, widmet er sich der Hauptübung.

      Die 5 vorbereitenden Übungen sind:

  • Schau und Identifizierung mit der Vajra Yogini
  • Die Schau der Sushumna
  • Atemübung
  • Ida - Pingala Atem
  • Schau und Anbetung des Guru und der Satgurus im Anahata
  •   Schau und Identifizierung mit der Vajra Yogini

    Eine zweite Bezeichnung lautet 'Schauen des physischen Körpers als Leere'.

    Die Vajra Yogini ist die Erscheinung der dem Manipura Chakra innewohnenden Kundalini Shakti. Die Bedeutung dieses Chakras liegt auf der Hand, da es sich hierbei um Tum-mo (eine Erwärmungsübung) handelt, wobei sich die Kundalini in den unteren Chakras als Flamme manifestiert. Tum-mo erinnert an den Meridian Tu-Mo. Tu-Mo ist ein mystischer Meridian, dem von den Taoisten eine große Bedeutung zugemessen wird, der jedoch in der Akkupunktur nur eine geringe Bedeutung besitzt. Die Anrufung der Shakti des Manipura Chakras erinnert ebenfalls an den Taoismus, in welchem die mystischen Licht-Kreisläufe mit dem Sammeln von Energie im Hara (ca. 3 Fingerbreiten unter dem Nabel), dem unteren Tan-tien (Tore der Energiebahn im Tu-Mo) beginnen. Da der Tibeter die Chakras nicht statisch sieht, sondern in erster Linie ihren dynamischen Aspekt betrachtet, meditiert er natürlich auf die dem Chakra innewohnende Gottheit.

    Übung:

      Der Yogi imaginiert die blutrote Vajra-Yogini im Flammenkreis.

      Dann identifiziert er sich mit ihr und stellt sich selbst als diese Gottheit vor. Hierbei ist die Gestalt außen die der feurigen Gottheit und innen vollkommen leer, durchsichtig und klar. Die Gestalt der Gottheit ist wie eine Hülle, wie ein dünnhäutiger Schlauch.

      Dieses Bild der Gottheit, als welches er sich zunächst in natürlicher Körpergröße sieht, dehnt er dann sukzessive aus, bis zur Größe eines Hauses, Berges, bis es schließlich das ganze Weltall erfüllt und in sich einschließt.

      Anschließend verkleinert er diese Gestalt bis zu einem winzigen Punkt. Auf diesen ist das ganze Denken ausgerichtet.

      Schau der Sushumna

    Sushumna ist der energetisch mystische Aspekt der Wirbelsäule

      Der Yogi sieht sich in der Gestalt der Vajra-Yogini, wie im vorigen Abschnitt beschrieben. Nun sieht er in sich, der Vajra Yogini, die Sushumna als ein gerades, strahlend-feuriges Rohr, läßt wieder seinen Körper (von der Gestalt der Vajra Yogini) wachsen und mit ihm die Sushumna, bis zur Größe des Alls und dann wieder schrumpfen, bis die Sushumna so dünn wie der hunderste Teil eines Haares ist.

      Körper- und Atem-übung

      Der erste Teil der Übung besteht aus Körperhaltungen in sieben Stufen.

      Bei der Atemübung wird tief eingeatmet und der Atem so lange wie möglich angehalten (sanskr. Kumbhaka; von der Übung wird ohne Anwesenheit einer Kontrollperson abgeraten. Auch die anderen Übungen bedürfen bis zu ihrer Durchführung ein ausgedehntes Studium und eine innere Reinigung). Beim Ausatmen stellt sich der Yogi vor daß unzählige fünffarbene Strahlen aus allen Körperporen dringen und die ganze Welt einhüllen. Dies ergibt eine ähnliche Aureole wie sie auf vielen Buddhadarstellungen (auf Tankas) zu sehen ist. Jede Übung wird siebenmal durchgeführt.

      Dann stellt sich der Yogi vor, daß jeder von den fünffarbenen Strahlen in das Zeichen HUM umgewandelt wird und dieses anschließend in eine zornige Gottheit (Schutzgottheit). Diese Schutzgottheiten werden zuerst ein- und ausgeatmet und bedecken den ganzen Körper des Yogi gleichsam wie ein schützendes Panzerhemd aus zornigen Gottheiten. Auch diese zwei ergänzenden Übungen werden jeweils siebenmal ausgeführt.

      Ida - Pingala Atem

      Der Meditierende stellt sich rechts von der Sushumna Pingala und links von der Sushumna Ida vor (das sind Energiekanäle) und zwar geradlinig von der Nasenöffnung bis zum Steißbein. Der Meditierende empfindet dabei die Nadis (Energiekanäle) als Röhren, wobei durch Ida eine Kette von Vokalen strömt und durch Pingala eine Kette von Konsonanten. Die Buchstaben werden haarfein und leuchtend rot vorgestellt, senkrecht, einer über dem anderen. Sie stellen die Keime alles dessen dar, was in der Welt existiert und wirkt. (erinnert an die kabbalistischen Buchstabenübungen).

      Diese Buchstaben wandern in einem unaufhörlichem Strom nach oben, ohne die Richtung umzukehren. Da es aber nicht möglich ist, sich gleichzeitig auf zwei verschiedene Bewegungen zu konzentrieren, wird abwechselnd durch das rechte und linke Nasenloch geatmet und somit abwechselnd der rechte oder der linke Strom bewußt gemacht und imaginiert.

      Durch diese Übung wird ein ständiger feuriger Aufwärtsstrom durch die Wirbelsäule stimuliert.

      Gebet zu den Gurus und Satgurus

      Dies ist der Abschluß.
      Der Yogi erschaut im Anahata seinen Guru und über diesem in einer Linie dessen Guru und die Satgurus. Dann betet er zu ihnen. Er bittet sie um ihren Schutz und Segen.

       

    © copyright Alfred Ballabene, Wien