Kundalini und Sexualität

Sexualität ist von größtem Einfluss auf die Kundalini. Aus diesem Grund gibt es auch Praktiken, in denen versucht wird ausschließlich durch Sexualität die Kundalini anzuregen. Natürlich nicht durch puren Sex, sondern mit entsprechender innerer Ausrichtung, in der Absicht die frei werdenden Kräfte zu lenken. Ich glaube, dass es in erster Linie nicht der Sex ist, der hierbei wirkt, sondern der Zustand unseres Gehirns. Unser Gehirn arbeitet bei Sex, aber auch bei Erotik und Verliebt-Sein anders als im Normalzustand. Es werden hierbei besondere Botenstoffe freigesetzt, welche uns in einen gehobenen, euphorischen oder verklärten Zustand bringen, je nachdem, ob ein Orgasmus oder Verliebt-Sein der Auslöser ist.

Sexualität kann den Anstoß für das Erwachen der Kundalini geben. Sie ist jedoch mit einem Feuerstein vergleichbar. Ein Feuerstein kann eine Flamme entzünden, er kann sie aber nicht nähren. Dazu bedarf es eines anderen Materials. In unserem Fall ist es Liebe, die liebevolle Zuwendung zu allem was lebt. Solcherart versuchen wir den Funken zu einem immer währenden Feuer zu entzünden.

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Orgasmus oder lang anhaltendes Verliebt-Sein praktiziert wird. Im Orgasmus können die tiefsten, kosmischen Zustände erlebt werden, Lichtphänomene und all das, was man sonst der Kundalini zuschreibt. Aber der Zustand hält nur kurz an. Er kann uns tiefe Erlebnisse bringen, die neue Einsichten in die Grundfragen Mensch und Kosmos bewirken. Was jedoch einen gelebten Yoga kennzeichnet ist letztlich die Umgestaltung der Persönlichkeit und das spirituelle Heranreifen. Hierzu sind jene Zustände besser geeignet, die zwar weniger beeindruckend sind, jedoch in einer gleichmäßigen Flamme durch längere Zeiträume wirken. Diese gleichbleibenden gehobenen Zustände können wir zum Beispiel einsetzen, um uns bei Spaziergängen mit der göttlichen Allkraft zu verbinden und ihr Wirken in all dem grünen und flatterndem Leben um uns zu erkennen. Wir können dadurch Liebe, Spiritualität und Religiosität in uns zur Entfaltung bringen.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien