Satipatthana

 Was ist Satipatthana?

Der Begriff Sattipatthana stammt aus dem Buddhismus, und heißt wörtlich übersetzt etwa "Gegenwärtighalten der Achtsamkeit". Sattipatthana umfaßt in der Praxis eine Fülle von Übungen, die dem Yoga-Chela (Yoga-Schüler) dazu dienen sollen, sein ganzes Wesen kennenzulernen und bewußt umzugestalten. Satipatthana beginnt mit gleichsam unscheinbaren Übungen wie zum Beispiel  "Tue was du tust".
 

Tue, was du tust

Damit ist gemeint die höchste Aufmerksamkeit auf sein Handeln zu legen und ein Abschweifen der Gedanken zu verhindern. Es geht hier nicht nur um  Konzentration, sondern darum, eine Handlung einfach, natürlich (= entspannt und gelöst, damit die inneren Kräfte ohne Blokaden fließen können) und bewußt auszuführen. Mit Herz und Seele ganz Da zu sein.

Für die Durchführung wählt der Chela eine zeitlich auf ein paar Minuten begrenzte Tätigkeit während des Tages. Mit Hilfe der Übung  kann man viele Entdeckungen machen: den Wert des scheinbar "Trivialen", Ursachen von Fehlgriffen, Störfaktoren wie Phantasien, abschweifende Gedanken....

Wird die Aufmerksamkeit bei jedem Abschweifen wieder der Handlung zugewandt verlieren sich überflüssige Gedanken und Gefühle. Es kann sich durch die Wachheit ein Gefühl der Freude einstellen, der eine Positive Kraft innewohnt.

Es geht also darum den Augenblick als Übung zu nützen, ein Präsentwerden, eine ungezwungene, aber kraftvolle Wachheit. 
 

Tagesrückschau

Inhalt:
Rekapitulieren der derzeitigen Lage: Handlungen, Antriebe, Emotionen, äußere Ereignisse, Reaktionen. Erspüren der jeweils spezifischen Schwingung, um daraus zu lernen, Erfahrungen zu integrieren, ein yogisches Fazit zu ziehen.

Methode:
1) chronologisch, Ereignis um Ereignis
2) Nachvollzug der Hauptereignisse, anderes aufsteigen lassen
3) Prüfung einer bestimmten Eigenschaft an Hand der Tagesereignisse

Durchführung:
Keine Intellektuelle Analyse, sondern ein meditatives Nacherleben, schwingungsmäßiges Erspüren. Nachfühlen positiver Schwingungen, Erkennen der Begleitumstände, Versuch Fehlhaltungen zu entschlüsseln.

Korrektur von Fehlern:
Bewußtes Durchschauen von Fehlverhalten und Erkennen von hinderlichen Eigenschaften. Kompensation durch bewußten Vorsatz sich zu bessern.
Oder: Plastisches Nacherleben der unguten Situation und Imaginieren der richtigen Handlung, um die innere Haltung zu korrigieren.
Oder: Verbindung mit dem Satguru und Erleben der Tagesereignisse in einem gehobenem Schwingungszustand mit dem Empfinden seiner Gegenwart.

Das Frieden-Schließen:
Wir geben uns im Gebet an Gott und den Satguru hin, mit allem, was wir haben und sind, den hellen und dunklen Seiten und wir fühlen, wie die Göttliche Liebe uns annimmt. Wir schaffen Frieden mit unserer Situation, mit allen Menschen und danken.
 

Charakterspiegel

Dient dazu das kennenzulernen, was wir umgestalten wollen: jenes unbewußte und unvollkommene Wesen, die "Person", mit der wir uns identifizieren, mit all ihren Faktoren und Eigenschaften. Der Charakterspiegel ist ein ständiger Begleiter auf dem Weg. Im Laufe der Zeit läßt sich eine Entwicklung absehen und kleine Erfolgserlebnisse erhöhen die Freude an der Arbeit an sich selbst. Man beginnt mit den gröbsten Manifestationen einer Eigenschaft, dem wertungsfreien Erkennen und Festhalten. Aus dem Stadium des Forschens entwickeln sich dann tiefere Erkenntnisse der Zusammenhänge und emotionalen Reaktionen. Dadurch, daß wir uns verstehen lernen, lernen wir auch andere verstehen.

Inhalt: Sammeln von Erinnerungen an Ereignisse, welche emotional geladen waren.
Material: Eigenschaften, die in uns vorhanden sind, in uns wirken, wie wir mit ihnen arbeiten.
Aufzeichnungen: Alphabetisches Verzeichnis unserer interessantensten Eigenschaften, am besten in einer Ringmappe, für jede Eigenschaft ein eigenes Blatt.
Durchführung: Verbindung der Eintragungen mit der Tagesrückschau.

    Es wird notiert:
  • Bedingungen der Manifestation: äußere Situation, innere Disposition, Tattwa (Tagesschwingung), ev. Traum
  • Äußerungsformen: Reaktionen in Handlungen, Emotionen, Gefühlsäußerungen, Worten Gedanken
  • Begleiterscheinungen: Auswirkungen somatischer Art, Auswirkung auf die Gesamtschwingung, Auswirkung auf die äußere Situation, Auswirkung auf die Mitmenschen.
  • Beobachtung der Eigenschaft bei anderen: durch den Projektionsvorgang kann man die Eigenschaft oft bei anderen feststellen, die in einem selbst wirksam ist.
  • Methoden der Arbeit an der Eigenschaft: Wie gehe ich damit um? Wie versuche ich sie zu ändern, welche Mittel sind nützlich, welche nicht?

Korrektur einer "negativen" Eigenschaft:
Die Eigenschaft wird liebevoll gestaltet, wie ein Kind. Auf Fehlverhalten reagieren wir nicht verärgert, sondern gemäßigt und tolerant, jedoch mit dem besten Vorsatz es das nächstemal besser zu machen.

Ergründen einer Eigenschaft:
Mit dem Charakterspiegel lernt der Chela Eigenschaften, die sich in Handlungen äußern beachten, nun muß er sie erkennen und definieren, sich ein Arbeitsfeld abstecken. Eine jede Eigenschaft, ob erwünscht oder unerwünscht hat ursprünglich einen Sinn - einen Sinn der Lebenserhaltung, besseren Lebensgestaltung, Verteidigung etc. Sie ist Teil einer Lebens-Strategie.

Auswahl einer "negativen" Eigenschaft:
Das Achten auf die Auswirkungen bestimmter Eigenschaften macht die Folgen erahnbar, die diese karmisch gesehen zeitigen könnten. Der Chela erkennt die Notwendigkeit sie zu überwinden.
Er nimmt sich eine einzige Eigenschaft vor, von der er sicher ist, daß sie sich überwinden läßt, und beschäftigt Monate oder Jahre nur mit dieser Eigenschaft.

 Praxis:
Die "negative" Eigenschaft wird unter einer eigenen Rubrik in den Tagesplan eingetragen und gekennzeichnet, wie weit die Beherrschung gelungen ist. Damit wird der Vorsatz an der Eigenschaft zu arbeiten immer wieder erneuert und jeder Fort- und Rückschritt registriert.
Eine völlige Überwindung wird kaum gelingen, aber eine Korrektur ist schon ein schönes Erfolgserlebnis.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien