"Schamanistische Initiationsträume"

 Was sind Initiationsträume?

Initiationsträume sind Träume, deren Quelle von Mystikern, Schamanen etc. nicht dem UBW zugeschrieben werden, sondern die als Eingebungen eines höheren Selbstes oder als Botschaften von Göttern aufgefaßt werden. Entsprechend wird ihnen auch eine hohe Bedeutung zugemessen. Sie sind ein Signal, daß der Initiant für würdig befunden wurde, um Zutritt zur Götterwelt oder Unterwelt zu erhalten.

Je nach Tradition sind Initiationsträume eine Begegnung mit einer Gottheit oder einem Totemtier, welche Schutz und Führung des Erwählten übernehmen. Eine besondere Form von Initiationsträumen ist jene der Schamanen Asiens. Dort erfolgt die Initiation durch einen symbolischen Tod, in welchem der alte Körper abgelegt wird und der Schamane in einem neuen, göttergleichen Körper wiedergeboren wird. Dieser neue Körper ist nicht mehr an die irdische Welt gebunden, sondern kann nach Belieben die Welten der Götter und Dämonen aufsuchen.

Da in der Entwicklung eines Schamanen generelle psychische Strukturen des Menschen zum Ausdruck kommen, können die typischen Stadien der Entwicklung eines Schamanen auch unter Menschen unserer modernen Stadtkultur gefunden werden. Wenn es sich hierbei um schamanistisch relevante Träume handelt, so ist die Art der Symbolik zwar von unserer zivilisierten Umwelt geprägt, ihre Aussage jedoch mit jener der schamanistischen Überlieferung identisch. Um beim Beispiel des asiatischen Schamanismus zu bleiben, so treten Träume von Gräbern, Grüften, Gebeinen, Grabsteinen etc. auf.

Als ich begann, mich in den Yoga zu vertiefen, hatte ich häufig Träume, in denen ich in Grüfte stieg oder in Kirchen die Krypta aufsuchte. Auch wurde die Vergänglichkeit des Lebens oft symbolisch dagestellt, in Hinweisen etwa wie Grabsteine oder Steintafeln an den Wänden von Klostergängen, manchmal mit merkwürdigen kryptischen. Sehr oft waren es Gruftdeckel, die den Eindruck erweckten, als wären sie Türen zu verborgenen Gängen.

Ich konnte mir damals diese Träume nicht erklären, machte mir aber auch nicht allzuviele Gedanken darüber. Waren es anfangs Steintafeln, so wurden es später Leichen in offenen Gräbern. Ziemlich gegen Ende dieser Periode stieg ich sogar einmal in ein Grab hinein und legte mich in eine Leiche, als wäre diese mein Körper, in den die Seele nun wieder zurückkehren würde.

In einer nächsten Periode, die sich durch lange Zeit noch mit den Grüfteträumen vermischte, stand ich vor der Grenze zu der "jenseitigen Welt", eine Grenze, die ich jedoch nicht immer überschreiten konnte, weil diese von einem "Hüter der Schwelle" bewacht wurde. Nie jedoch wurde ich von einem Hüter der Schwelle aggressiv attakiert, sondern wenn ich mich nicht abschrecken ließ, respektierten sie mich und ließen mich durch. Wenn ich tatsächlich in eine jener "jenseitigen Welten" gelangen konnte, so war diese eine symbolische Jenseitsdarstellung und ähnelte in keiner Weise jenen Ebenen, die ich in späteren Astralwanderungen aufzusuchen vermochte.

Auch diese Phase fand ihren Abschluß und ich hatte in späteren Jahren nie wieder solche Träume - es gab keine Bewacher einer jenseitigen Schwelle mehr. Ich hatte die Fähigkeit des Astralwanderns erlangt und habe sie noch immer. Anstelle des Hüters der Schwelleder sich mir in den Weg stellte, gesellte sich Gevatter Tod als gelegentlicher Begleiter zu mir. Er war mir dann ein Lehrer über die Vergänglichkeit des Lebens und bisweilen auch ein Helfer, der mir beistand, vergangene karmische Fehler wieder gut zu machen und karmische Bindungen zu lösen. (Karma = schicksalsgestaltende Nachwirkung eines früheren Lebens).

    Beispiele von solchen Träumen:
    "Inmitten eines gruftartigen Gewölbes sortierte ich Knochen und stapelte sie sorgfältig auf. Ich tat dies mit Interesse und ohne Abscheu. Neben mir stand Gevatter Tod und war mit mir und meiner Arbeit zufrieden. Von einem Schwall der Liebe erfaßt umarmte ich ihn und gab ihm einen Kuß auf die knöcherne Wange. Telepathisch fühlte ich sein Lächeln und den Hinweis, daß er meinen Kuß nicht erwidern könne (wäre der Todeskuß)."

    "Aus der Stadt heraus hob sich ein Hügel, unbewohnt und mit Resten von altem Mauerwerk. Am Fuß des Hügels öffnete sich dunkel der Eingang zu den Katakomben. Dort hinein wurden die Pesttoten getragen, die in immer neuen Wagenladungen eintrafen. Ich stand dort und sah zu. Gevatter Tod stand neben mir und belehrte mich, nicht in Worten sondern in einem Verstehen, das er mir zustrahlte."

Ich lernte Gevatter Tod als Helfer aus tiefem Herzen lieben und liebe ihn noch heute. Eigentlich assoziiere ich ihn nicht mit einem "Sterben müssen", habe ich doch gelernt, daß er eher ein Helfer ist, der den Vorgang des Sterbens erleichtert, einen Vorgang, der auch ohne ihn zustande käme oder, der als Bote Gottes eingreift, weil eine über ihm stehende Instanz dies befiehlt.

All dies war ein natürlicher Wachstumsprozess, nicht beabsichtigt und nicht durch irgendwelche Methoden eingeleitet. Es gipfelte in der Fähigkeit den Körper zu verlassen und andere innere Dimensionen aufzusuchen. Oft noch erschien mir Gevatter Tod auch in jenen jenseitigen Ebenen, meist so etwa 50 Schritte entfernt, im schwarzen Mantel und mit Schlapphut. Er blickte dann zu mir, während ich ihn ehrfurchtsvoll grüßte.

 Abschließende Anmerkung:

In meinen Texten kommt bisweilen die Bezeichnung "Gevatter Tod" vor. Dies ist eine liebevolle Benennung meines Lehrers "Tod". Die Bezeichnung "Gevatter Tod" ist auf eine Sage Wiens zurück zu führen. Dort erbarmte sich einmal der Tod eines armen Webers namens Urssenbeck, der für sein Kind keinen Taufpaten finden konnte. Der Tod wurde der Taufpate dieses Kindes, welches durch eine Gabe, die ihm Gevatter Tod als Patengeschenk gab, ein berühmter Arzt wurde. Dieser Arzt lebte dann in der Schönlaterngasse im 1. Bezirk von Wien und das Haus heißt bis heute "Totenhaus".
Darunter ein Bild von diesem Geschehen aus dem Buch "Das große Wiener Sagenbuch" von Max Stebich, Verlag für Jugend u. Volk, Wien, (1969 ?). Bild Seite 88

Aus einem Brief:

"HAB GESTERN WAS IM ARGENTINISCHEN TV GESEHEN, MUSS DIR DAS ERZAEHLEN: DA HABEN SIE EINEN BERICHT GEBRACHT UEBER DEN NORDEN ARGENTINIENS (ARGENTINISCHE CHACO, NACHBARSCHAFT ZU PARAGUAY) WIE DORT NOCH MIT ALLER SELBSTVERSTAENDLICHKEIT DER TOD - " EL SANTO DE LA MUERTE" , WIE SIE ZU IHM SAGEN - VEREHRT WIRD. ER WIRD DARGESTELLT ALS SKELET IN SCHOENEN PRUNKGEWAENDERN, PURPUR MIT GOLD.
UND ES WAREN VIELE INTERVIUS MIT VEREHRERN , WAR SEHR SCHOEN, WEIL DIE SO LOCKER ABER DOCH MIT RESPEKT UEBER DEN TOD GESPROCHEN HABEN. IN WELCHEN SITUATIONEN ER IHNEN GEHOLFEN HAT, DASS ER DER BESTE FREUND IST, EINER HAT IHN IMMER " MI VIEJO" GENANNT, ( "MEIN ALTER"- SO WIRD IN ARGENTINIEN DER VATER GENANNT, KLINGT IN UNSEREN OHREN ETWAS UNSCHOEN, IST ABER HIER EIN NETTER UND KUMPELHAFTER AUSDRUCK). ALLE HABEN IMMER BETONT DASS ES GANZ WICHTIG IST, WENN MAN IHM WAS VERSPRICHT, DASS MAN DAS WORT HALTEN MUSS, DANN BLEIBT DER TOD IMMER SCHUETZEND AN DER SEITE. JA UND EINMAL IM JAHR WIRD EINE PROZESSION MIT DEM TOD DURCHS DORF GEMACHT. SCHOENE BILDER WAREN DA ZU SEHEN.

HAT MIR GEFALLEN DIESE SENDUNG , WEIL MAN SIEHT DASS DOCH NOCH IRGENDWO AUF DER WELT ( UND NOCH GANZ NAH VON HIER) DER TOD GEMOCHT WIRD UND NICHT ALLE NUR DIE HOSE VOLL HABEN VOR IHM."

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien