Scheinparadies- die Illusion einer Belohnungsebene

 Unter Scheinparadies wird ein Ort ersehnter jenseitiger Glückseligkeit und Erfüllung verstanden. Es sind angenehme und schöne Umgebungen. Der Glaube bereits im Paradies zu sein birgt in sich die Gefahr einer Stagnation durch die Täuschung schon alles erreicht zu haben. Diese Illusion beruht sehr oft auf den Versprechungen oberflächlich ausgelegter religiöser Schriften, oder aber aus dem tiefen Wunsch eine "Insel des Friedens" zu finden.

"Das 'Paradies' einer Rechtgläubigen"
"Die andere Welt", 1963/II, 14. Jg., Nr. 11, Seite 851

Heute möchte ich wieder etwas Lehrreiches erzählen. Eine Dame gibt mir Anlass dazu. Sie begegnete mir schon vor einiger Zeit. Auf Erden war sie eine strenggläubige Christin und, ohne es zu wissen, psychisch zum Medium veranlagt. Sie war sich ihrer Überlegenheit bewusst und dabei sehr unduldsam. Daneben war sie aber überaus gutherzig, sonst hätte sie nicht diese Höhe erreicht.

Sie war überzeugt, ins Paradies zu kommen; und sie hat tatsächlich ihr Paradies gefunden!

Was sie da genoss, war aber nicht jenes unermessliche Glück, das wir empfinden, wenn wir der Ewigen Allgegenwart gegenüberstehen. Es war einzig und allein eine ,,ganz persönliche Befriedigung".

Ihrem Empfinden nach war alles - alles! - wirklich so, wie sie es immer gewusst und gesagt hatte.

Sie begriff keineswegs, dass dieses bisschen Glück, das sie da genoss, ganz einfach nur das Wenige war, das sie empfinden konnte - und dass ihre Läuterung noch bevorstand.

Der Zeitpunkt kam, und zuerst regte sich die Eitelkeit: Sie - Sie - Sie! war im Paradies! - Wie musste ihr Gatte es bereuen, sie so verspottet zu haben!

Sie frohlockte in wachsender Befriedigung, ohne zu bemerken, dass ihr Paradies nach und nach seinen ärmlichen künstlichen Glanz verlor...

Das Landhaus (eigenes Erlebnis)

Wir glitten in einer Seilgondel über der Landschaft dahin. Da sah ich einen großen Park mit wundervollen alten Bäumen. Ein jeder Baum war eine seltene Spezies, wie man es sonst nur in botanischen Gärten sieht. Da waren welche, deren Zweigenden sich in wundervolles Gold verfärbten, andere waren wie riesengroße Bonzais, blaugrüne Nadelbäume waren darunter, alles war herrlich anzusehen. Dies war der Garten eines feudalen Landhauses, wie ich gleich feststellte. Obwohl mehrere Parteien ihre eigenen Appartements dort hatten, war alles von tiefstem Frieden und höchstem Wohlstand gekennzeichnet. Die Welt mit ihrer Unrast schien unendlich weit entfernt zu sein. Hier gab es nur Erholung und Frieden. An den Wänden hingen wunderschöne Tafeln mit Holzschnitzerein, nicht etwa aus Weichholz, sondern aus Edelhölzern gearbeitet. Auf der Wiese vor dem Haus spielte ein Kind und nicht weit entfernt sah man einen Stall und davor ein gesatteltes Reitpferd, ruhig wartend. Wer hier lebte, lebte auf einer Insel des Friedens, versteckt von Städten und Dörfern, so entlegen, dass sich niemals ungebetene Gäste einfinden konnten.

Es war Glück und Isolation gleichzeitig, was jene Menschen genossen. Mit der Zeit müsste ein solcher Zustand zu einer seelischen Verarmung führen.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien