Symbole innerer Reifung

In diesem Artikel verwendete Symbole: Brot, Teig, Sonne, Frau Holle, Ofen, Trauben. Äpfel, Ähren.

 Allgemeines

Innere Reife geht Hand in Hand mit innerer Ausgeglichenheit. Aus diesem Grund nehmen Symbole der inneren Reifung auch meist Bezug auf irgendwelche spannungsgeladenen Ausgangssituationen, die durch Erkenntnis und Erfahrung integriert wurden und nun der Persönlichkeit als akzeptierte Erfahrung dienen. Die Auflösung von Spannungen bzw. Aggressionen, verursacht durch ungelöste Probleme, Situationen und Stellungnahmen (z.B. aus einem Konflikt zwischen Moral und Bedürfnissen), ist in den Begleitträumen, die mit einer Lösung (Reifung) einhergehen, oft von einer religiösen, eschatologischen Erhabenheit gekennzeichnet.

Ungelöst (spannungsgeladen)

Gereift (ausgeglichen)

aggresiv
unbewußt
dunkel
spitz (zersplittert)
chaotisch
in der Tiefe

versöhnlich (harmonisch)
bewußt
hell
rund
geordnet
auf Berg

 Früchte (und deren Farbsymbolik)

Da wir Menschen mit den Früchten als einer der wesentlichsten Ernährungsgrundlage durch Jahrhunderte auf Werden und Gedeih verbunden waren, so spielten Früchte nicht nur in der Volkskunst, in Märchen und Mythen eine große Rolle, sondern auch in Träumen.

© Corra, Freital

Die Frucht ist das Endprodukt eines pflanzlichen Entwicklungsprozesses, aber auch der Keim für neues Leben. Sie kann somit ein abgeschlossenes Erfahrungsstadium symbolisieren, welches wiederum Ausgangspunkt eines höheren Reifeprozesses ist.
Es ist ein Unterschied, ob sich die Frucht auf einem auf dem Boden wachsenden Kraut findet, oder auf einem Baum. Der Baum strebt in die Höhe und entspricht topographisch einem Berg, also einer Bewußtseinserhöhung. Das Kraut ist dem Boden, der Grenze zum UBW sehr nahe.

Wenn wir uns die symbolische Farbzuordung zu unseren inneren Hauptbereichen vergegenwärtigen (siehe Grundsymbole der Träume) so ist Gelb (Gold) die Farbe der Mitte, in der Rot (Emotionen, Trieb), Blau, Weiß (das Mentale) und Grün (das Vegetative) ihre Mischung und ihren Ausgleich finden. Goldene (gelbe) Früchte von der Ähre bis zum Apfel hatten deshalb von jeher immer eine große Bedeutung. (siehe auch Polaritäten im Traum und Kundalini-Yoga)

V.: "Ich wanderte entlang eines sommerlichen Ackerweges. Da hatte ich auf einmal den Eindruck, daß auf dem nun sichtbaren Acker die Früchte meines Lebens wachsen würden. Auf der linken Seite war ein Weizenfeld mit Leerstellen. Dort erhoben sich, wenngleich etwas schütter gewachsen kräftige, goldene Weizenhalme. Rechts war ein haushoher Schotterberg. Ich erschrak bei seinem Anblick, denn dies waren Steine auf meinem Lebensweg, die es noch abzutragen galt."

 Brot

© Gauri, Regensburg

Der Werdegang des Brotes beinhaltet eine Kette von Symbolen: aus dem Teig (unreif) wird durch Einwirkung der Hitze des Backofens (Reifungsprozess) der goldbraune Brotlaib (Produkt der Reife). Zusätzlich zur Symbolik des Werdeganges besitzt das Brot noch den Symbolgehalt des Kreises, dem durch C.G. Jung eine große Beachtung zugewendet wurde. Der Kreis (Mandala) ist nach C.G. Jung das Selbstsymbol in seiner grundlegendsten Gestalt. Dem Kreis wohnt das Vertraute, Zugehörige inne - Kreis der Anverwandten, Kreis von Verschwörern, Kreis von Auserwählten. Wer seine "zersplitterte Persönlichkeit" durch einen Reifungsprozess "abrunden" konnte, hat zu seiner inneren Harmonie gefunden.

Symbolzusammenfassung des Brotes:

Teig: weiß, feucht, unreife Grundsubstanz, energetisch Chi oder Yin (siehe Akkupunktur, bzw. Yin/Yang Symbolik)
Ofen: Feuer (Yang) in einem kontrollierten aufbauenden Prozess
Brot: zusammen mit Ähre ein Sommer und Sonnensymbol, der Farbe gold bzw. gelb zugeordnet. Es ist auch (siehe Bibel) die geistig-spirituelle Nahrung des religiösen Menschen. Wird mit goldenen Talern überschüttet.

    Märchen von der Frau Holle (wird hier nicht erzählt, wenn nötig kann es in Grimms Märchen nachgelesen werden).
    Goldmarie: nimmt das goldbraune Brot aus dem Backofen und erntet die in der warmen Sonne goldgelb gewordenen Äpfel.
    Pechmarie (unreif) läßt das Brot verbrennen - dieses wird schwarz (schwarz=unbewußt). Sie läßt die Äpfel am Baum hängen und diese faulen (werden ebenfalls schwarz). Sowohl beim Brot, das schwarz brennt, als auch bei den Äpfeln, die zu lange in der Sonne bleiben, ist die Hitze in der Summe zu groß und destruktiv (es ist die Hitze der unbehrrschen Emotion, die Hitze der unbeherrschten Sinnlichkeit. Pechmarie wird zum Schluß mit Pech (schwarz UBW) übergossen. Religiös entspricht Gold dem Himmel und Pech der Hölle. Hierzu möge darauf hingewiesen sein, daß das Wort Holle stammverwandt ist mit Hölle (z.B. Eberzähne der Frau Holle) als auch mit Helle (Frau Holle lebt im Himmel, über den Wolken).

    V.: "Ich befand mich in einer Stadt, die dem Aussehen nach einige Hundert Jahre vor unserer jetzigen Zeit sein mochte. Hier betrat ich einen Bäckerladen. Auf dem Ladentisch lag ein runder Laib Brot. Dahinter stand eine Bäckergehilfin, die eher den Eindruck einer Sonnenpriesterin machte. Sie war in der Lage die Zukunft voraus zu sagen und zwar durch die Kraft des Brotes.
    Den Bauern sagte sie Schlechtwetter voraus und alles Zureden konnte daran nichts ändern. Jetzt stand eine junge Frau als Kundin vor ihr und bat um Zukunftsweisungen. Die Bäckergehilfin drückte in den Laib Brot Augen, Nase und Mund, daß der Laib Brot wie eine bäuerliche Sonnendarstellung aussah. Dann verkündete sie der Frau die Zukunft.

     

© copyright Alfred Ballabene, Wien