Tiere im Traum

 Ein jedes Element unserer psychischen Struktur, oft absichtlich unscharf als "Inhalt" bezeichnet, beginnt mit einer ersten Begegnung im Leben. Eine Einteilung in das komplexe Ordnungsschema im Gehirn ist bei dieser ersten Begegnung noch sehr ungenau, verschwommen und dunkel. Mit zunehmender Verarbeitung wird dieser "Inhalt" komplexer und entwickelt sich. Ist er emotional, so wird seine Entwicklung symbolisch mit jener der Tiere assoziiert und wir gelangen in eine Biologie des Träumens.

Die psychischen Inhalte in uns sind nicht nur wie Worte in einem Buch, sondern da sie Teile unseres Bewußtseins sind und dieses als lebend empfunden wird, sind auch sie lebende Seelenteile.

Durch den Traum wird unsere Seele zum Kosmos mit all seinen Bewohnern vom Kleinsten bis zum Großen. Und alle diese Teile, deren Schöpfer wir sind, wollen leben und wachsen. Es ist unsere innere Kraft, die ihnen zu Leben und Entwicklung verhilft. Unsere Aufmerksamkeit und Liebe ist wie eine magische Sonne und unter ihren Strahlen schmelzen die Gesetze der Zeit und das Werden und Wachsen wird beschleunigt.

    S.: "Ich gelangte auf eine Wiese, übersät mit weißen Blüten, doch meine besondere Aufmerksamkeit galt den zahllosen Ameisen, die hin und her eilten.. In breiter Bahn zogen sie dahin und ich folgte diesem Weg, der sich gabelte und krümmte und durch die Wiese zog. Als ich ein Stück weiter kam, sah ich, wie diese kleinen Tierchen Reiskörner trugen. Sie waren ein ganzes Heer. Weiter ging ich. Die Ameisen waren größer geworden und auch ihre Last, nun in der Größe weißer Bohnen. Der Weg verwandelte sich in einen Weg aus weißem Sand und auf ihm waren es jetzt goldbraune Termiten. Im gleichen Maße, als die Tierchen wuchsen, nahm ihre Zahl ab und das Gewirrle in der Kolonne wurde zu makellosem Gleichmaß.

    Wieder trat eine Veränderung ein: Aus den Termiten wurden kleine schneeweise Wesen, Widdern ähnlich, doch von der größe einer Maus. Nun kamen sie direkt auf mich zu. Aus all den kleinen Widdern wurden schließlich schneeweiße Hündchen, die wuchsen - da wurde es ein Lamm. Der Weg endete vor einem Haus. Das Lamm trat in das leuchtend helle Haus und erhob sich auf zwei Beine. Da war eine Leiter vor uns. Das Lamm, zu einem engelhaften Wesen geworden, stieg Hand in Hand mit mir Sproße für Sproße die Leiter empor."

 Allgemeine Symbolprinzipien bei den Tieren

Vitalität

Tiere im Traum sind oft Hinweise für die sexuelle Kraft und die Vitalität des Menschen.

Wenn sie uns im Traum in einem kraftlosen Zustand begegnen so ist dies eine Warnung an uns und wir sollten nachdenken, ob wir unseren Körper nicht vernachlässigt haben.

  • Evolutionärer Entwicklungsgrad: je höher, desto bewußter ist der Inhalt
  • Farbe: entspricht der Qualitätszugehörigkeit; siehe Farben
  • Elementzugehörigkeit: siehe Artikel "Elemente"
  • Verhalten: Kennzeichen der Integration (z.B. zutraulich, aggressiv)
  • Größe: die Größe der Tiere verrät uns den Bedeutungsgrad der diesem Aspekt von unserem UBW gegeben wird.
  • Embryo, Jungtier: Ausdruck dafür, daß sich dieser Seeleninhalt im Anfangsstadium seiner Bewußtwerdung befindet.
  • Tiere füttern: den Bewußtwerdungsprozess fördern.

 Wassertiere

© Gauri, Regensburg

Fisch: Mythologisch ist der Fisch ein Urwesen, und zwar ein Symbol des Chaos, aus dem die Geschöpfe hervorgehen, oder das sie wieder einschlingt. Das Chaos muß jedoch nicht als bedrohlicher Aspekt betrachtet werden, denn letztendlich ist es der Urgrund, aus dem alles Geordnete hervorgeht.

Aus psychologischer Sicht muß beim Symbol des Fisches vieles beachtet werden: es muß der Lebensraum richtig erfaßt werden - das Wasser kann ja sowohl für Gefühl stehen als auch für das UBW (als Yin Symbol kommt es in diesem Fall nicht in Frage). Zu berücksichtigen ist weiters Farbe, Trübung, Tiefe, Bewuchs, Strömung, deren Bedeutung im Elemente-Teil nachzulesen ist. Ferner ob man hinein sieht oder im Wasser schwimmt. Ebenso sind Farbe und Form des Fisches zu berücksichtigen (länglich, aggressiv, rund, zutraulich).

Die Deutung der verschiedenen Aspekte finden sich unter "Elemente", "Farben", "Unten/Oben".

    C.: "Der Traum mag klein und unbedeutend erscheinen, aber es schwang unglaublich viel Freude, Sehnsucht und Hoffnung mit: Ich stand vor einer Brettertüre, die erst vor kurzem weiß gestrichen worden war. Hinter ihr lagen neue Erfahrungen und immer neue Weiten. Jetzt stand ich davor, um meine ersten Schritte in diese neue reiche Welt zu tun."

    Dies war der vorläufige Höhepunkt und das Ende einer Traumserie in nacheinander folgenden Nächten, die ich kurz in ihrem Werdegang zusammenfassen möchte:

    Zunächst handelte es sich um einen Fisch. Das erste Mal als ich ihm begegnete, war er schmutziggrau, träge und dumpf, in der Form etwa wie eine kurze Muräne, jedoch groß wie ein Elefant. Das nächste Mal war er ein ganz normaler, wendiger Fisch. Beim dritten Mal waren es winzige Fische, leuchtend in strahlenden Farben und flink. Sie erhoben sich übergangslos in die Luft und umflatterten mich wie ein Schwarm von Schmetterlingen."

Schildkröte: Sie ist ein Wesen, das sowohl dem Wasser als auch dem Land angehören kann. Ein Wesen, das zwei Bereichen angehört, ist auch so etwas wie Vermittler oder Bote zwischen diesen Bereichen. Als solches Verbindungsglied erhielt die Schildkröte in der indischen und chinesischen Mythologie eine große Bedeutung:

So wird im Hinduismus die Entstehung der Welt auf eine Schildkröte zurückgeführt: aus dem Urozean (Chaos, gedacht als Milchozean) taucht die Schildkröte Khurma auf (zweite Inkarnation Vishnus) und bildet mit ihrem Rücken den Weltenberg Meru, um den herum sich die Welt aufbaut.

© Gauri, Regensburg

In der chinesischen Mythologie versinnbildlicht die Schildkröte die Weisheit, denn sie stammt aus den Uranfängen der Welt und bezieht aus jenen Zeiten ihr Wissen. Im I Ging werden aus den Panzern von Schildkröten die Orakel gelesen.

In ihrer Kreisform beinhaltet die Schildkröte auch den Aspekt des Keimes (bzw. Ei), sie ist demnach ein Anfang, aus dem Höheres hervor geht.

    "Kiessing, "Dichter erzählen ihre Träume", S. 260 (P. Ludwig)
    "Ich sehe Erden, nichts als Erde, rein, tief, schwarz - ein kleines rundes Stück Erde. Plötzlich bewegt sich diese Erde, es rührt sich in den Schollen und langsam kriecht etwas hervor: eine junge Schildkröte! Sie hat einen schönen, fechtglänzenden Panzer und schöne feuchtglänzende Augen.Sie erhebt sich ganz aus der Erde und blickt um sich. Aber es ist nichts außer ihr zu sehen! Sie ist ganz allein. Doch nach einiger Zeit bewegen sich die Schollen noch einmal und wieder kommt etwas hervor: eine zweite Schildkröte! Mit ebenso schönem glänzendem Schild, mit ebenso glänzenden Augen. Nun erblicken sich beide und eilen aufeinander zu. Da sie beeinander sind, stellen sie sich auf ihre Hinterfüße und mit den vorderen umarmen sie sich auf die innigste Weise, immer und immer wieder. Mit unsäglich sanften Pfoten tasten sie einander ab: unendlich entzückt eins an des anderen Dasein."

    A.: "Meine Frau und ich befinden uns in einem großen Garten. Inmitten ist eine Wiese mit einigen Bäumen und vom Mond beschienen. Dort ist eine weiße Riesenschildkröte. Sie bittet uns, sie zurück ins Meer zu bringen. Es bereitet uns Mühe sie zu tragen und mit letzter Kraft heben wir sie über einen Zaun. Am Meere angelangt bedankt sich die Schildkröte und verschwindet in den silbrigen Wogen. Lange noch blicken wir zur Stelle ihres Entschwindens, wissend und dankbar für das Viele, das sie uns übermittelte."

    A.: "Oben auf einem Felsen sitzt eine große Schildkröte mit einem uralten, faltigen Gesicht - einem Menschengesicht. Sie hält eine ernste und weise Ansprache."

 Landtiere

Kröten, Schlangen, Mäuse

Dies sind Tiere, die in der Erde wohnen, also dem Bereich des Unbewußten entspringen. Die Begegnung mit ihnen ist eine Begegnung mit Unvertrautem, das in unser Bewußtsein eindringt. Sie sind Boten zwischen der Erde (UBW) und unserem Lebensraum (BW). Statt in innerer Bereitschaft diesen Boten entgegenzutreten und ihre Sendung verstehen zu lernen, reagieren wir zumeist auf ihr Erscheinen aggressiv. Verglichen mit Mäusen sind Kröten und Schlangen kaltblütig (haben noch nicht die Wärme unserer Gefühlswelt). Auch sind sie tiefer in der Erde als Mäuse, die sich viel auf der Oberfläche aufhalten (zumindest dem Gefühl nach, wenn schon nicht biologisch).

Schlangen: Sind meist Symbolausdruck für unbewußte Triebkräfte. Meist sind die Schlangen bei uns mit der Erde assoziiert, aus der sie hervorkriechen. In der Symbolik sind sie deshalb auch der emotional-lebendige, triebhafte Aspekt des UBW.

Diese Symbolik ist sicherlich sehr unterschiedlich, je nach dem Kontinent, in dem wir leben. In Indien z.B. symbolisieren Schlange verschiedene vitale, polare Aspekte z.B. Feuer (Gift) oder Wasser, dem die Schlangen ebenfalls angehören können (siehe indische Mythologie - Nagas (Wasserschlangen) u. Ragas (Schlangen des Feuerelementes).

  • Sich erhebende Schlangen - Vergeistigung der Triebkraft (im Märchen und auch in Träumen tragen solche Schlangen oft Kronen). Als stehende Schlangen sind sie auch oft Hüter des Verborgenen (Erde, Schätze, Vergangenheit) und von Weisheit geprägt.

    "Ich schwebe in einem Traum immer höher, bis ich in eine andere Sphäre durchbrach. Es war ein weites, grünes Tal mit Bäumen und Buschwerk. Sehr still und harmonisch. Da bemerkte ich vor mir, unter einem großen Busch ein Leuchten. Ich trat näher. Da sah ich eine riesenhafte Schlange, die von innen her rotgolden leuchtete. Sie war um den Busch geschlungen und schlief. Ich sollte sie wecken, hatte davor jedoch solche Angst, daß ich erwachte."

  • Anzahl der Schlangen: Wenn Inhalte noch undifferenziert sind, so begegnen sie uns in Gestalt vieler Schlangen. Ist es eine Schlange, so bezieht sie sich bereits auf etwas Konkretes (z.B. unsere konventionell-moralisch geprägte Einstellung zur Triebkraft).
    Natürlich kann die Schlange in der Symbolik auch als Attribut gelten, das dem Sprachgebrauch entlehnt ist, wie z.B. Falschheit (in diesem Fall steht die Schlange in Bezug zu einer Person).

Kröte: In Märchen begegnen wir ihnen öfters, im Traum eher selten. Das UBW verfügt ja nicht unbedingt über eine biologische Hochschulbildung und deshalb sieht es mitunter Tiere in einem anderen evolutionären Stellenwert. Die Kröte steht hier in der Entwicklung höher als die Schlange, weil die Schlange wurmartig ist, die Kröte jedoch 4 Füße hat, einen gedrungenen Körper und uns somit ähnlicher sieht als die Schlange. Das nächste Stadium in der Symbolentwicklung wäre ein Säugetier und dann der Mensch.

Mäuse: Ob in Märchen oder in Zeichentrickfilmen wird den Mäusen eine weit höhere Intelligenz als etwa Kröten oder Schlangen (mit Ausnahme der weisen Schlange, die einen überirdischen Aspekt hat). Die Intelligenz eines Tieres ist in der Symbolik Ausdruck des innewohnenden mentalen Aspektes und somit auch der Bewußtwerdung. Mäuse bewohnen auch die Behausung des Menschen, stehen ihm also in Bezug auf Lebensraum und Kontakt näher. Mäuse symbolisieren komplexere Inhalte (also Gefühle mit Mentalem). Diese Inhalte befinden sich an der Schwelle zwischen unbewußt (unterirdische Gänge der Mäuse) und bewußt (betreten den sichtbaren Bereich und Lebensraum des Menschen).

Katze: In Märchen, der Mythologie und auch in Träumen ist die Katze häufig vertreten. Dies hat einen besonderen Grund: sie ist ein Vertreter der Nacht und somit des UBW und ist weiters ein Aspekt der Anima des Mannes.

© Gauri, Regensburg

Bei Frauen ist der Hund dem Animus zugehörig. Da ja Männer in vielen Belangen anders denken als Frauen und deshalb Frauen in ihren Bedürfnissen und Vorlieben nicht verstehen, ist für sie die Katze auch ein sehr geeignetes Symbolbild des Beziehungsbildes zur Frau, insoferne als die Katzen oft unberechenbar reagieren und immer ihre Eigenständigkeit behalten. Ein Aspekt in Gestalt einer schwarzen, wilden Katze entspricht mehr dem Unbewußten als eine graue oder weiße Katze. Letzere ist bereits bewußt, und somit eine ausgeglichenere Beziehung des Mannes zur weiblichen Entsprechung bzw. auch zu seiner eigenen Gefühlssphäre.

V.: "Ich schwenkte von der Straße zu einem eisernen Gartentor, durch welches ich in den Garten trete. Doch kaum habe ich dies getan, so steht eine Zauberin vor mir und weist mich an in den Garten der Prüfungen zu gehen. Es gibt keine Weigerug, der Weg zurück ist versperrt.

Ich muß nun verschiedene Gärten durchqueren mit Hindernissen und Zäunen, über die ich klettern muß. Mir zur Seite sind eine weiße Katze und ein weißer Hund und wenn ich innehalte mahnen sie mich weiter zu gehen. Ich sammle allerlei Früchte und mache mich damit auf den Weg wieder zurück zur Zauberin. Dort stehen im Garten zwei weißgedeckte Tische mit Tellern, in welche ich die Früchte lege. Die Zauberin, nun eine junge Frau,ist erfreut und glücklich und auch ich. Der Abschied fällt uns schwer und die Zauberin weint zwei Perlen. Da erkenne ich sie als die Allmutter. Die Bäume lösen sich auf, die Umgebung wird durchsichtig und alles vergeht in zarten, weißen Lichtschleiern."

Schwein: Je nachdem können dem Schwein in erster Linie zwei Aspekte zugeordnet werden:

- Wildschwein: Auf Grund des Lebensraumes und der Lebensweise unterscheidet sich das Wildschwein auch symbolisch vom Hausschwein: es lebt im Wald, der in seiner Schattenhaftigkeit und Dunkelheit der Sphäre des UBW angehört. Auch ist das Schwein wild, d.h. nicht dem Willen und dem bewußten Handeln unterworfen (nicht "domestiziert"). Eine Eigenheit gibt dem Wildschwein noch einen besonderen zusätzlichen Aspekt: es wühlt in der Erde - d.h. dieser Symbolaspekt ist an der Schwelle zur Bewußtwerdung und die obersten Schichten des Unbewußten werden aufgebrochen und dem Sichtbaren (Bewußtsein) zugeführt.

    C.: "Der Weg durch eine trockene, vegetationslose Gegend führt mich zu Ruinen nur noch Reste, bestehend aus 1 1/2 Meter hohen Mauern. Dort hatte sich Gesindel eingenistet, das sich daran erfreute einen zwischen den Mauern verzweifelt dahinrasenden Eber mit Steinen zu bewerfen und zu töten. Ein Mann neben mir fordert mich auf ihm eine Steinplatte zum werfen zu reichen. Ich wage nicht zu widerstreben aus Angst vor der Wildheit der Leute und tue es. Der mann nimmt den Stein und wirft und tötet den Eber. Ich betrachte das große Tier mit seinem schwarzen Rücken. Sein Bauch aber war rosa."

- Hausschwein: Ungerechterweise wird dem Hausschwein das Suhlen im Schmutz und eine schmutzhafte, triebhafte Lebensweise zugeschrieben, weiters Gefräßigkeit. Diese durch Sprache und Überlieferung eingeprägte Ansicht wird auch in die Symbolsicht der Träume übernommen und das Hausschwein steht deshalb für einen Menschen der seine animalischen Bedürfnisse voll auslebt, ohne Rücksicht auf Anstand und Moral. Wenn die moralische Instanz in uns in der Traumsymbolik ihre Kritik einbringt, so verwendet es gerne das Schwein, um eine ungenierte Lebensweise zu kritisieren (speziell bei Konflikten zwischen Moral und körperlichen Bedürfnissen) - und hat dabei oft nicht recht. Als Vertreter angelernter Moralismen tendiert die innere Moral oft zu Unterdrückungen und Naturfremdheit und erhöht dadurch innere Gewissensspannungen. Durch eine Art inneres Zwiegespräch, durch einen Beschwichtigenden Dialog, können solche Spannungen abgebaut werden und der Mensch kann sich einem vernünftigen Kompromiß zuwenden.

V.: "Ich befand mich in einer tiefen Jenseitsebene, so empfand ich es. Der Weg führte mich zu einer Gabelung. Dort war ein Lattenzaun und dahinter ein Gastgarten mit zechenden und frivolen Menschen, die mich und anderen Passanten herein zu winken versuchten. Auf einem Podium saß ein Mensch in Schweinegestalt."

D.: "Einen Wald durchquerend entdecke ich ein kleines Schwein, das läuft frei umher. Ich lege ihm eine Leine an und führe es neben mir einher als wäre es ein Hund. Die Leute sind verwundert, aber mich stört dies nicht."

Hund: Genau so wie das Pferd, hat der Hund eine höhere Rangstellung unter den domestizierten Tieren. Er ist dem Menschen Wächter, Beschützer und Hausgenosse. Ensprechend ist auch seine Stellung als Traumsymbol höher (bewußter). Er ist in der Symbolik Diener des Menschen, sprich des Bewußtseins. Um als voll integrierter Bewußtseinsanteil zu gelten, ist der Hund jedoch noch zu sehr animalisch und wenngleich gehorsam, ist er doch noch aggressiv, mitunter wenig beherrscht und vom Körper dominiert.

© Gauri, Regensburg

In seltenen Fällen kann der Hund noch zusätzliche Symbolaspekte vertreten:
Durch seine Eigenschaft als Wächter kann er zum Symbol eines "Hüters der Schwelle" werden.
Als Blindenhund kann er eine Führer in der Finsternis sein.

Pferd: Das Pferd unterscheidet sich von anderen Haustieren insoferne: es ist ein Helfer des Menschen und dient ihm bei der Arbeit oder zum Transport. Somit leistet es höhere Dienste für den Menschen als jene Haustiere, die dem menschlichen Körper als Nahrung dienen.

© Gauri, Regensburg

Als Symbol ist das Pferd ein helfender Aspekt aus dem Bereich des UBW. Es kann auch ein Symbol des Fortbewegungsmittels sein (eine animalisch-dynamische Kraft im Menschen, welche ihm Schwung und Durchsetzungskraft verleiht).

"Der weiße Reiter": "Ich bin mit V. in einer Bibliothek und wir blättern in einem großen, alten Buch. Auf einer Seite befindet sich ein Bild, das sich zu bewegen beginnt, so als würden wir durch ein Fenster schauen.
Ein sehr schöner reiter auf einem weißen Pferd reitet in einer weiten, sonnigen Landschaft. Plötzlich kommen dunkle Gestalten auf schwarzen Pferden auf ihn losgaloppiert, offenbar in feindliicher Absicht. Ich hielt sie für Mönche der Inquisition. Der Reiter wendet sein Pferd und eilt fast wie im Flug zurück zu einer nicht so fernen Stadt. Noch knapp kommt er durch das offene Stadttor, welches sich nach ihm schließt. 20 oder 30 m hinter ihm werden die anstürmenden Verfolger wie von unsichtbarer hand aufgehalten und stürzen mit Vehemenz weit in den Sand."

"Durch eine Stadt gehend kommen A. und ich an einem Holz-Zaun vorbei. Er sol ein unbebautes Grundstück umschließen, so wußte ich es. Wir öffnen eine kleine türe und zu unserem Erstaunen sehen wir dort eine große wiese. Sie kommt mir bekannt vor. Wie ich so sinne, weitet sich die Wiese und verliert sich in endloser Weite. Eine Herde schön gebauter, weißer Pferde grast dort und duldet es, daß wir bewundernd uns unter die Pferde mengen. Da sehe ich, daß einige Flügel haben und schon erheben sich zwei von ihnen lautlos und flink in die Luft, wo sie bald den Blicken entschwinden."

 Tiere der Luft

Schmetterlinge: Schmetterlinge sind Entfaltungssymbole und in etwa "Blumen der Luft". Sie sind ohne eigenen Ausdruck von Emotionen und ohne irgend einer animalisch-dynamischen Kraft. Sie sind schön und bergen in sich alle Farben (und das ist der Kern ihrer symbolischen Aussage). Verglichen zu Vögeln sind Schmetterlinge etwas Schwaches, Zerbrechliches (z.B. der Flug ist ein "unsicheres" Flattern und kein zielsicheres Fliegen).

    A.: "Ich befinde mich in einer winterlichen Landschaft, bedeckt mit einer dünnen Schicht Schnee. Da entdecke ich auf dem Schnee einen wunderschönen Falter. Wie ich entzückt zu ihm blicke, schlägt er mit den Flügeln und erhebt sich in die Luft."
    Der Schmetterling ist hier so etwas ähnliches wie der Frühling, der die kalte Starre des Schnees vertreibt und Blumen an seine Stelle setzt.

Vögel: Der Lebensraum der Vögel befindet sich zum Teil am Boden (unser Lebensraum), von wo sie ihre Nahrung beziehen (meistens). Der Luftraum über uns ist der Entfaltungsraum der Vögel; es ist der (symb. mentale) Bereich über den sie eine Meisterschaft besitzen.

V.: "Diesmal ging ich wieder im Traum durch eine sehr oft geträumte Wohnung und gleich in das hinterste Zimmer, das einen bedrohlich, geisterhaften Aspekt hat. Heute hat diese Kammer nichts Gefährliches an sich, blendend weiße Wände, keine abgestellten Objekte, einen Zugang zu Freien und das Auffälligste: ein überaus großer Falke hatte nahe der oberen Zimmerkante ein Nest gebaut undhielt sich dort fest, mit ausgebreiteten Flügeln und gespreizten Schwanz, gleichsam in der Luft nach oben schwebend. Ich war fasziniert von diesem schönen Tier und verließ vorsichtig den Raum, um den Falken nicht zu stören.

In diesem Traum löste sich anscheinend das bedrohlich Geisterhafte auf und strebte empor zum Himmel (Erlösung). Dies war auch der letzte Traum aus dieser Wohnungsserie, mit der ich durch mehrere Jahre konfrontiert war."

Eule: Der Eule wird Weisheit zugeschrieben. Diese Anschauung ist symbolisch folgendermaßen zu erklären. Als Vogel, mentaler Aspekt, gehört die Eule der Nacht (UBW) an und bezieht von dort ihre Nahrung. Ihre großen Augen deuten auf den ausgeprägten Sinn des Sehens (Erkennens) hin, der es ihr ermöglicht selbst im Dunkeln (einer Sphäre, die dem Bewußtsein sonst nicht zugänglich ist) zu sehen (erkennen). Die Eule symbolisiert somit die intuitiven Fähigkeiten des Menschen, eine Fähigkeit, durch welche das verborgene Wissen des UBW dem Bewußtsein dienstbar gemacht wird.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien