Traumniveaus

 Die Art der Traum-Wahrnehmung hängt mit der Klarheit des Bewusstseins zusammen. Je nach Klarheit des Bewusstseins sind es unterschiedliche Schichten im Menschen, die sich in traumartiger Weise mit psychischen Inhalten, Erinnerungen oder subtilen Wahrnehmungen abgeben.

Oft sind die Traum-Botschaften von unterschiedlicher Tiefe und Verarbeitung. Entsprechend ist auch der Eindruck unterschiedlich von flach bis aufwühlend.

Unsere Traumklarheit schwankt je nach Verfassung und Nacht-Zeit. Die Träume der ersten Nachtstunden sind wegen der größeren Müdigkeit und der damit verbundenen geringeren Aufmerksamkeit weniger luzid und weniger plastisch-farbig als gegen Morgen.

Hier eine Stufenleiter von Träumen mit zunehmender Wahrnehmungstiefe und Bewusstheit:

1. Unterste Stufe der Traumwahrnehmung ('keine' Träume)

Kennzeichnend für dieses Stadium ist, dass sich die Menschen an keine Träume erinnern können. Manche behaupten sogar nie zu träumen. Das stimmt nicht, wie die medizinische Traumforschung ermitteln konnte. Die Behauptung, die man bisweilen (in der Esoterik) lesen kann, diese Menschen hätten ein unentwickeltes Innenleben, ist ebenfalls grundlegend falsch. Hochsensible und verfeinerte Menschen sind genau so von Traumlosigkeit betroffen. Wie kommt es zu dieser Feststellung nicht zu träumen, was ist die Ursache des Erinnerungsmangels?

  • Übermüdung. Beim Erschöpfungsschlaf sind die Wachphasen nach der REM-Phase zu kurz, als dass die Erinnerung im Langzeitgedächtnis gespeichert werden könnte. Damit eine Resterinnerung an die Träume erhalten bleibt (Langzeitgedächtnis), sind zumindest etwa 5 Minuten Wachphase für eine Speicherung nötig. Damit es dazu kommt, bedürfen die Eindrücke auch zusätzlich einer Aufmerksamkeit (Interesse) und Wiederholung in der Erinnerung; durch die Müdigkeit fehlt es jedoch an der nötigen Kraft hierzu. 
  • Desinteresse. Ein an Träumen Desinteressierter weiß zwar, dass er geträumt hat, kann sich jedoch nicht daran erinnern. In den kurzen Wachphasen denkt er bestenfalls an das Wieder-Einschlafen. Während der Schlafphasen investiert ein Desinteressierter auch keine schöpferische Phantasie, sondern möchte nur 'Weg-Sein'. Desinteresse ist selbstverifizierend: die Träume sind uninteressant und 'farblos', weil keine Interesse und kein Anreiz einer inneren Belebung besteht. 
  • Verdrängung. In diesem Fall möchte sich der Mensch gar nicht an Träume erinnern, denn sie könnten ja Frevelhaftes oder Verbotenes enthalten.
  • Angst. Wiederholte Albträume, speziell in der Kindheit und Jugend können zu einer Angst vor dem Schlafen und Träumen führen. Hat man traumlos geschlafen, gilt das als Erfolg und als ein Entfliehen der bedrohlichen Albtraum-Situation.

2. Stufe im Traumniveau ('Graue', unplastische, chaotische Träume)

Die Träume sind Handlungsfetzen mit Tageserinnerungen, Wünschen und Ängsten. Auf das Traumgeschehen wird reflektorisch, instinktmäßig reagiert. Die Traumfetzen sind schlecht zu merken. Vielleicht bleibt gerade noch die letzte Szene vor dem Aufwachen in Erinnerung. In gewisser Weise erinnern diese Träume an kurze 'Selbstgespräche' während des Tages. Man wird von einem Impuls erfasst (Argument) und reagiert darauf (Kommentar). Nach der Qualität der Träume befragt, behaupten Personen, bei denen dieses Traumniveau dominiert, dass ihre Träume grau seien und sie sich an keine Farben erinnern könnten.

3. Stufe im Traumniveau (die archetypische Symbolsprache der Psyche dominiert)

Die Träume sind farbig, plastisch und interessant. Im Gegensatz zu den Träumen im vorhergehendem Stadium erfolgt die Repräsentation der Persönlichkeit nicht mehr in einem einfachen Reaktionsschema, sondern in Form eines komplexen psychischen Gebäudes. Inhalte:

  • Bemessung der gegenwärtigen Situation (im Vergleich zu früher, zu anderen Menschen etc.). 
  • Kommentar zu Tagesereignissen, jedoch von einer 'höheren' Warte - charakterliche Einstufung, Lösungsvorschläge. 
  • Bestandskontrolle verschiedener Eigenschaften und ihrer Relation zu den verschiedensten Lebens-Aspekten (zu Beziehungen, Religion etc.).
  • Lob und Tadel für gesetzte Handlungen durch autoritative Personifikationen, welche eine übergeordnete Instanz darstellen. 
  • Erfüllung von Wünschen, meist mit innerer Bejahung, wodurch psychische Spannungen abgebaut werden.

Plastische, farbige, stark emotionelle Träume benötigen zu ihrem Entstehen eine Restaktivität von Phantasie und schöpferischer Kraft. Die erforderliche Restaktivität (Wachheit) wird durch einen Regelkreis in Gang gehalten: die Träume sind interessant und plastisch -> dadurch wächst das Interesse an ihnen -> durch das erhöhte Interesse an den Träumen (ist auch während des Träumens vorhanden) wächst die Luzidität und damit die Qualität der Träume. Traumanalysen und - Aufzeichnungen helfen die Qualität der Träume zu heben.

4. Stufe im Traumniveau ( 'magische' Fähigkeiten treten in Erscheinung)

Teils unterschwellig, teils bewusst wird sich der Träumende seiner besonderen Möglichkeiten bewusst. Er/Sie greift mit 'magischen' Methoden ein. Magisch deshalb, weil derlei Handlungsweisen in der materiellen Welt nicht durchführbar sind.

Immer wieder tauchen in Träumen des 4. Traumniveaus märchenhafte, mythologische oder fremdartige Örtlichkeiten und Wesen auf und der Traum erhält den Charakter eines aufregenden Abenteuers. Natürlich merkt man sich solch einen Traum entsprechend gut. Wenn man sich schon an einem magischen oder fremdartigen Ort befindet, ist die Assoziation, dass man selbst über magische oder andersartige Fähigkeiten verfügt nicht mehr so fern. Solche eigenen Fähigkeiten werden in diesen Träumen bereits bewusst (ohne inneren Handlungszwang) eingesetzt, um der Handlung zu einem positiven Ausgang zu verhelfen. Dennoch wird die Handlungsfolge nach wie vor vom UBW geleitet. Beispiel: eine Schlange kommt. Man schwebt in die Luft und entzieht sich solcherart der Bedrohung.

5. Traumniveau (Fast luzide Träume) bzw. nach OBE Paradigma Eintauchen in transzendente Ebenen

Der teilweise absurde, märchenhafte Charakter, wie er für das vorhergehende Stadium kennzeichnend war, ist in diesen Träumen mit einem Schlag verschwunden. Statt dessen bewegt man sich in einem Umfeld, das im großen und ganzen der vertrauten irdischen Welt gleicht. Man ist wieder der Schwerkraft unterworfen, Schweben ist zwar möglich, muss aber regelrecht erlernt werden (wobei man sich im Traum an früher erworbene Fähigkeiten erinnert).

Nach Auffassung des Yoga hat man in diesem Stadium keine Träume als vom Gehirn erschaffene Szenerien vor sich, sondern der Astralkörper ist auf Wanderschaft in erdnahen Ebenen (Traumebene). Die Bewusstheit kann hierbei unterschiedlich ausgeprägt sein und es kann auch zu fluktuierenden Überlagerungen von üblichen Traumbildern kommen.

6.Traumniveau (Luzide Träume, bzw. Astralreisen)

Astralreisen: Hierfür gelten alle Kriterien des vorhergehenden Stadiums mit einer Ausnahme: der Mensch ist sich allen Geschehens voll bewusst (tagesbewusst). Er weiß, dass sich sein materieller Körper im Bett befindet und er sich in seinen schlafenden Körper bei Gefahr jederzeit durch einen bewusst eingeleiteten Weckvorgang zurückziehen kann. Es gibt in diesem Traumniveau keine Handlungsvorgabe aus dem Unbewussten mehr. Ist man in diesem Zustand, so befindet man sich in einer fremden Umgebung und hat sich für weitere Aktionen (z.B. wohin man gehen will) zu entscheiden (keine automatische Handlungsvorgabe). In diesem Traumniveau sind Experimente möglich, man kann gewollt andere Personen ansprechen und sich mit ihnen unterhalten. Ja man kann sich sogar einfach hinsetzen, die Augen schließen und meditieren. Der Gewinn aus solch einem Traum ist enorm. Er verhilft dem Menschen in der Nacht zu einem Gratis-Urlaub mit schönen Landschaften und Erlebnissen und zu neuartigen Erfahrungen. Man fühlt sich mit der Transzendenz und mit seinen Freunden dort verbunden. Das irdische Leben erhält eine höhere Sinngebung.

Luzides Träumen: Dieses vollzieht sich im Kopf und unterscheidet sich von Astralreisen. Luzides Träumen ist eine Art innerer Kinofilm, den man frei gestalten kann und den man zur eigenen Unterhaltung aufbaut. Ansonsten gelten die meisten Kriterien des Astralreisens, was beide Vorgänge voneinander schwer unterscheidbar macht.

Wieder zurück zum Thema Träume und ihre Tiefenstadien. Zur besseren Übersicht hierzu eine Gegenüberstellung durchschnittlicher Träume zu Träumen erhöhter oder voller Luzidität.

Unterschiede und Tendenzen in der Richtung

Unbewußt

zur Luzidität

Geringe Aktivität des Frontalhirns Frontalhirn ist aktiv

Das Frontalhirn ist zuständig für strategisches Denken und planende Voraussicht. Die Aussagen über die Tätigkeiten des Frontalhirns sind naheliegende Vermutungen.

geringe Plastizität erhöhte Plastizität
rascher Szenenwechsel kontinuierliche Fortsetzung der Handlung
geringe Merkbarkeit des Geschehens einprägsme Traumhandlungen
alogische Szenerien oder "Wiederholungen" vom Alltag Umgebungen und Handlungen folgen den Gesetzen gewohnter Logik
"graue" Szenerie leuchtende Farben
Emotionalität wie im Alltag bzw Ängste euphorische Zustände
kommentierende Gedankenketten logisches Überlegen
getrieben Werden von einer vorgegebenen Handlung aufmerksames Beobachten und Beschauen
dominierender Persönlichkeitsaspekt,
verändertes personales Erscheinungsbild
selbstreflektierende Persönlichkeit
im Traum gefangen sein jederzeit fähig den Traum abzubrechen
Wahrnehmung nach "innen" gerichtet (in Hinblick auf die Auswirkungen der Szenerie auf das Ich) Wahrnehmung ist nach "außen" auf das Geschehen gerichtet
keine Kontrolle über das Traumgeschehen beim wieder Einschlafen Träume können in der nächsten Schlafphase fortgesetzt werden

 

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