Unser "Ich" - hier und im "Jenseits"

© Gauri, Regensburg

Unser Ich ist nicht so bleibend und unveränderlich wie wir meist glauben. Wir identifizieren uns damit und geschmückt mit unseren Erinnerungen und Fähigkeiten sehen wir uns als eine reich ausgestattete Persönlichkeit. Dennoch, auch wenn wir mit Recht stolz auf uns sind, so ist unsere wahrgenommene Persönlichkeit nicht mehr als die Spitze eines Eisberges.

Tasten wir unseren Kopf ab. Er ist ein geschlossenes Ganzes, fest und ungeteilt. Doch wenden wir uns einmal dem inneren Aufbau unseres Gehirns unter dem Schädelknochen zu. Während der Schädel ein geschlossenes Ganzes bildet, vergleichbar unserem Ego, das uns ebenso unteilbar und geschlossen erscheint, so ist das Gehirn darunter zweigeteilt. Im Gehirn liegt die software unserer Persönlichkeit und wenn seine Struktur bereits zweiteilig ist, so kommt uns die Ahnung, dass auch unsere Persönlichkeit nicht mehr so einheitlich sein könnte.

Ein intaktes Gehirn lässt seine zwei Hälften so kooperieren, dass wir uns als Ganzes erleben und eine klare Handlungsinstanz besitzen. Werden durch einen Schnitt durch den Balken die zwei Gehirnhälften getrennt, so ist es mit der Einheitlichkeit unseres Ichs vorbei: die rechte Seite hat das Empfinden, als ob die linke Seite eine andere Person repräsentieren würde. Was "diese andere Person" macht, ist für die jeweilige andere Seite nicht vorhersehbar und auch oft nicht verständlich.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien