Unsere Umgebung mit den Augen eines Touristen zu sehen

 (Aus dem ebook „Die Sandlerin Dasi“ von A. Ballabene)

Es liegt folgender Sinn dahinter: Wir sind, was unsere nähere Umwelt anbelangt, zumeist völlig abgestumpft. Wir sehen sie nicht mehr an. Unser Interesse gilt unserem Ziel, etwa dem Einkaufsladen oder unseren Problemen. Dadurch, dass unsere Aufmerksamkeit auf diese Nahziele ausgerichtet ist, wird der Umgebung keine Aufmerksamkeit mehr gezollt - unsere Wahrnehmung ist oberflächlich geworden. Wenn wir schauen lernen, werden wir entdecken, dass es in unserer näheren Umgebung viel Interessantes zu sehen gibt. Nach dem Du Arik in einem schönen Wohnbezirk aus der Gründerzeit und dem Jugendstil lebst, kannst Du wunderschöne Fassaden entdecken, wenn Du Deinen Blick nicht auf den Asphalt richtest, sondern auf die Giebel und Fassaden der Häuser.

Stellen wir uns vor, dass uns die Stadt und die Straße, durch die wir gehen, völlig fremd ist. Wir stammen aus einem anderen Land, haben ein teures Flugticket gekauft, um eben diese Stadt sehen zu können. Und jetzt sehen wir uns alles aufmerksam an. Nicht nur weil wir Touristen sind, und diese Stadt besonders schön ist. Zu Hause wollen wir darüber erzählen können, und wir wollen uns auch noch nach Jahren daran gut erinnern können. Die nun erschaute Umgebung hat für uns einen besonderen Wert, nachdem es für uns nicht leicht war Zeit und Geld für diesen Urlaub zu erübrigen. Wir wollen uns deshalb ein jedes Detail gut merken und sehen uns alles ganz genau und aufmerksam an. Natürlich nur das, was wir schön finden, aber es gibt viel, was wir schön finden können. Wenn der Stadtteil nicht so einnehmend schön ist, wie jener Deiner jetzigen Umgebung, gibt es sicher noch genug Motive für eine Foto, das man vielleicht als Motiv mit tieferem Sinn herzeigen könnte.

 

© copyright Alfred Ballabene, Wien