Wegdösen während der Meditation – Ursachen und Gegenmaßnahmen

 Flache Atmung und Muskelverspannung/Körperhaltung:

Eine gute Durchatmung ist wichtig, um einem Wegdösen durch Flachatmung vorzubeugen. Deshalb wird eine aufrechte Übungshaltung mit geradem Rücken empfohlen. Nun ist es jedoch so, dass viele Europäer über eine schwache Rückenmuskulatur verfügen und bei einer aufrechten Übungshaltung mit angespannten Muskeln sehr schnell ermüden. Einige Zeit versuchen sie noch sich gewaltsam aufrecht zu halten, was die Situation nicht unbedingt rettet. Im Gegenteil, sie verspannen sich und ermüden noch schneller. Langsam sinkt dann der Oberkörper nach vorne, die Atmung wird flach, die Halsmuskulatur wird müde, der Kopf fällt immer wieder nach vorne, bald sinkt er ab und ein lautes Schnarchen lässt uns erkennen, dass der/die Übende ins Traumland abgewandert ist. Ein wenig hilft dagegen frische Luft, kühlere Raumtemperatur und ein Anlehnen, leicht schräg nach rückwärts und mit Hohlkreuz.

Man kann jedoch die orthodoxen Traditionen radikal über Bord werfen und während dem Gehen meditieren. Natürlich kann das in den üblichen Yogaschulen mit Gruppenunterricht nicht propagiert und gelehrt werden. Das ist aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Unter den Sadhus als Wandermönche war und ist eine Meditation während des Gehens durchaus üblich. Als Beispiel hierfür seien einige Verse von Lal Ded gebracht. Lal Ded war eine Shaiva-Sadhvi, das sind auf Shiva ausgerichtete tantrische Wanderasketen. Lal Ded lebte in Kashmir in der Zeit des Mittelalters.

Nur kurz erwähnt: Ebenso wie gleichmäßiges Gehen fördert gleichmäßiges Reiten bei Wanderritten Zustände der Leichttrance, speziell bei Nebel. Dies sei hier erwähnt, um ein Beispiel zu geben wie anpassungsfähig ein Yogapraktikum sein kann, wenn man einmal den Mut gefunden hat sich von starren Traditionen zu lösen. 

Die Wanderasketin Lal Ded beschrieb diesen Vorgang wir folgt:

"Mein Guru gab mir folgende Aufgabe der Innenschau: "Zieh Deine Aufmerksamkeit von außen zurück und richte sie auf Dein innerstes Selbst." Ich nahm mir diese Aufgabe zu Herzen und wanderte als unbekleidete Sadhvi durch das Land (ohne Besitz und ohne in dieser Welt eine Bleibe zu suchen."

Während des Wanderns war es Lal Ded nicht nur möglich das Soham Mantra zu praktizieren. Hunger und Entbehrungen und der gleichmäßige Schritt förderten Trancezustände. Es hat sich im hiesigen Yogaashram gezeigt, dass gleichmäßiger Schritt mit gleichmäßiger Atmung, speziell bei Bergwanderungen und Ermüdung, Trancezustände herbei führen kann. 28. JK, 5. BNP

"Ertrage mit Gleichmut Blitz und Donner, erwarte geduldig die Dunkelheit am Abend, 3 Schreite unberührt durch das Mahlwerk der Welt - Was immer Du ertragen musst, zweifle nicht an der Gewissheit, dass Er (Shiva) zu Dir kommt"

87. JK: "Meine Fußsohlen waren wund gegangen auf den Straßen, während ich auf der Suche nach ihm wanderte. Dann plötzlich erschaute ich Ihn in allem und überall. Ich erkannte, dass ich nirgendwo hingehen müsse, um Ihn zu suchen. Das war die höchste Wahrheit aller Wahrheiten. Das zu erfahren macht einen fast verrückt vor Freude."

 Monotonie der Meditationsthematik und Übungen

Passive Vorstellung > passives Tagträumen > Einschlafen

Passive Imaginationen sind dann gegeben, wenn die Vorstellungsübung angesagt wird, oder wenn es sich um eine Meditationsübung mit gleichbleibender Vorstellung (Routine) handelt und die Aufmerksamkeit dadurch absinkt. Es ist nun leider so, dass Meditationsübungen Tag für Tag gleich ablaufen, weil sie eine Art Training in Richtung eines angepeilten Zustandes sind.

Vorstellung einer kosmischen Einheit.

Solange kosmische Einheit und All-Liebe eine Vorstellung sind und nicht erlebt werden, sind dies Übungen mit ehrgeizigem Ziel, im Prinzip jedoch langweilig, wenn diese Vorstellungen monoton durch etwa eine halbe Stunde aufrecht erhalten werden sollen. (Aus diesem Grund werden derlei Vorstellungsübungen im Maha Yoga nicht praktiziert, sondern man versucht diese Zustände mittels Trance zu erleben. Maha Yoga ist kein "Übungs-Yoga" sondern ein "Trance-Yoga".)

Weil die Ausrichtung auf Vorstellungsbilder relativ wenig Konzentration erfordert, driftet die Aufmerksamkeit leicht ab. Aus diesem Grund werden im alten traditionellen Yoga Übungen praktiziert, die schwer sind und eine volle Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern. Dies sind Übungen, die zu realen (halluzinativen) Sinneswahrnehmungen führen – Lichtübungen, Wahrnehmung einer Gottheit etc..

Gesehene Licht-Farben

Gesehenes Landschaftsbild mit dem Trainieren der Farbwahrnehmung von Grün und Blau

! Eine Abhilfe gegen das Wegdösen ist es auch, wenn man während der Meditation beschäftigt ist. Dies ist beim Rezitieren von Japas gegeben, beziehungsweise beim Rosenkranzbeten. Das gleichmäßige monotone Rezitieren, vor allem wenn es eine Gruppe Rosenkranzbetender in einer Kirche ist, hält durch das Sprechen wach und fördert gleichzeitig eine Leichttrance, welche eine fromme Verbindung erleichtert. Weihrauch und Umgebung heben zudem die innere Stimmung einer frommen Ausrichtung.

 Energieübungen

Kreisen von Wärme. Wir alle wissen, dass speziell im Winter, wenn der Raum wohlig warm ist, man am Nachmittag oder abends nach dem Abendessen leicht müde wird. Eine Erwärmungsübung schafft ebenfalls Wärme und ist zudem monoton. Dies fördert das Einschlafen. Deshalb werden in den tantrischen Yogadisziplinen diese Energieübungen mit Licht gekoppelt – sind also Lichtübungen – weil das Lichtempfinden wach macht und ein Einschlafen verhindert oder verzögert. Hierbei ist kaltes weißes Licht günstiger als warmes rotes Licht. Da jedoch ein Üben auf weißes Licht die Energien leicht aus der Balance bringen kann, wird deshalb im Atemrhythmus zwischen weißem und roten Licht abgewechselt, gekoppelt mit dem Empfinden von Kühle und Wärme.

Energiekreisen im taoistischen Yoga

Etwas anderes ist es, wenn man bewusst einschlafen will und das Energiekreisen als Weckübung nach einem Kurzschlaf verwendet. (Anwendung beim Einleiten außerkörperlicher Erfahrungen, wobei die Übung zu einem Automatismus wird, der nach dem Kurzschlaf wieder einsetzt und einen Weckeffekt hat.)

Übungshaltung für außerkörperliche Erfahrungen (AKE, OBE)

Übung

Mauna-Spaziergang Mauna= Gedankenstille

Wir gehen mit gleichmäßigen Schritten und gleichmäßiger Atmung. Unsere Aufmerksamkeit ist auf den Atem gerichtet, wie er kommt und geht. Wir sind vollkommen auf die Beobachtung des Atemvorganges eingestellt und halten hierbei Gedankenstille.

 

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